Glaswolle-Dämmung 2026: Eigenschaften, Anwendung & Kosten
Glaswolle ist ein Mineralwolle-Dämmstoff aus überwiegend recyceltem Altglas. Sie dämmt Dach, Wand, Fassade und Kellerdecke bei niedriger Wärmeleitfähigkeit und geringem Gewicht. Dieser Ratgeber zeigt Eigenschaften, Dämmstärken, Anwendung, Kosten, Entsorgung und Förderung im Detail.
Das Wichtigste in Kürze
- Wärmeleitfähigkeit liegt bei 0,032 bis 0,040 W/(mK) (WLG 032–040)
- Rohdichte reicht von 15 bis 150 kg/m³
- Recyclinganteil erreicht bis zu 80 % Altglas
- Baustoffklasse A1, nicht brennbar nach DIN EN 13501-1
- Materialkosten liegen bei 6 bis 20 €/m², je nach Dämmstärke
- BAFA-Grundförderung beträgt 15 % der förderfähigen Kosten
- iSFP-Bonus bringt seit 21.07.2026 zusätzlich 5 Prozentpunkte, aber nur auf den Kostenanteil über 30.000 €
- Herstellungsverbot für nicht konforme Mineralwolle gilt seit 1. Juni 2000
Was ist Glaswolle-Dämmung und woraus besteht sie?
Glaswolle ist ein künstlich hergestellter Mineralfaser-Dämmstoff aus bis zu 80 Gewichtsprozent Altglas. Weitere Rohstoffe sind Quarzsand, Soda und Dolomit. Hersteller schmelzen dieses Gemenge bei 1.300 bis 1.600 °C auf und verspinnen die Schmelze zu feinen Fasern. Bindemittel aus Kunstharzen verbinden die Fasern anschließend zu Matten, Filzen oder Platten.
Glaswolle gehört damit zur Familie der Mineralwolle, zusammen mit Steinwolle. Beide Dämmstoffe unterscheiden sich vor allem im Rohstoff: Glaswolle basiert auf Altglas und Quarzsand, Steinwolle auf vulkanischem Gestein wie Basalt und Diabas. Einen Überblick über die gesamte Produktgruppe liefert der Grundlagenartikel zur Mineralwolle-Dämmung. Er ordnet Glaswolle und Steinwolle in den Gesamtmarkt der Dämmstoffe ein.
Welche Eigenschaften hat Glaswolle als Dämmstoff?
Glaswolle erreicht eine Wärmeleitfähigkeit von 0,032 bis 0,040 W/(mK), je nach Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLG). Die WLG ist der genormte Kennwert für die Dämmwirkung eines Baustoffs nach DIN EN 13162. Ein niedrigerer WLG-Wert bedeutet eine bessere Dämmwirkung bei gleicher Dicke. Die Rohdichte von Glaswolle liegt zwischen 15 und 150 kg/m³, abhängig vom Produkt und Einsatzzweck.
Glaswolle ist nach DIN EN 13501-1 der Baustoffklasse A1 zugeordnet und gilt damit als nicht brennbar. Sie ist diffusionsoffen, leicht und lässt sich ohne Werkzeug zuschneiden. Fachbetriebe und Baumärkte bieten Glaswolle in drei Formaten an: als Klemmfilz für die Zwischensparrendämmung, als druckfeste Platte für Fassade und Boden sowie als lose Rollware für große Flächen. Bei der Verarbeitung setzt Glaswolle feine Fasern und Staub frei. Schutzbrille, Handschuhe und eine Atemschutzmaske der Klasse FFP2 schützen beim Zuschnitt.
Welche Dämmstärke braucht Glaswolle – von 40 bis 200 mm?
Die passende Dämmstärke hängt vom Einsatzort ab: 40 bis 60 mm für dünne Vorsatzschalen, 100 bis 200 mm für Dach, Fassade und Kellerdecke. Die folgende Tabelle zeigt den rechnerischen U-Wert der reinen Dämmschicht bei einer gängigen Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(mK) (WLG 035). Der U-Wert der gesamten Bauteilkonstruktion liegt niedriger, weil weitere Schichten wie Mauerwerk oder Beplankung zusätzlich dämmen.
| Dämmstärke | U-Wert der Dämmschicht (WLG 035) | Materialkosten je m² | Typischer Einsatzort |
|---|---|---|---|
| 40 mm | 0,88 W/(m²K) | ca. 4–6 € | Trockenbau-Vorsatzschale, Trittschall |
| 50 mm | 0,70 W/(m²K) | ca. 5–7 € | Vorsatzschale, Installationsebene |
| 60 mm | 0,58 W/(m²K) | ca. 6–8 € | dünne Innendämmung, Trennwand |
| 100 mm | 0,35 W/(m²K) | ca. 8–11 € | Zwischensparren, Kellerdecke |
| 120 mm | 0,29 W/(m²K) | ca. 9–13 € | Zwischensparren, Dachboden |
| 140 mm | 0,25 W/(m²K) | ca. 11–15 € | Zwischensparren, GEG-Standard Dach |
| 160 mm | 0,22 W/(m²K) | ca. 13–17 € | Zwischensparren mit Aufdopplung |
| 180 mm | 0,19 W/(m²K) | ca. 15–19 € | Zwischensparren, BEG-Förderstandard |
| 200 mm | 0,18 W/(m²K) | ca. 16–20 € | Neubau-Standard, oberste Geschossdecke |
Für den GEG-Mindeststandard am Dach reichen bei Glaswolle meist 140 bis 160 mm. Der strengere BEG-Förderstandard verlangt in der Regel 180 bis 200 mm oder eine Kombination aus Zwischensparren- und Aufsparrendämmung. Ein Energieberater berechnet den exakten U-Wert für die konkrete Bauteilkonstruktion.
Wo lässt sich mit Glaswolle dämmen – Dach, Wand, Fassade und Kellerdecke?
Glaswolle dämmt Dach, Innenwand, Fassade und Kellerdecke gleichermaßen, allerdings mit unterschiedlicher Plattenwahl. Am Dach kommt Glaswolle vor allem als Zwischensparrendämmung zum Einsatz. Ein Fachbetrieb klemmt den Dämmfilz passgenau zwischen die Sparren und verlegt darüber eine Dampfbremse. Diese Anleitung funktioniert grundsätzlich auch in Eigenleistung, sofern die Sparrenabstände sauber ausgemessen sind und die Dampfbremse luftdicht verklebt wird.
An der Außenwand dämmt Glaswolle vor allem als Kerndämmung in zweischaligem Mauerwerk und als Klemmfilz in vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden. Für ein klassisches Wärmedämmverbundsystem (WDVS) auf massiven Außenwänden setzen Fachbetriebe dagegen meist druckfeste Steinwolle- oder Holzfaserplatten ein, weil diese Systeme höhere Anforderungen an Formstabilität und Feuchteschutz stellen. Innenwände im Trockenbau dämmt Glaswolle als Zwischenständer-Füllung; das verbessert den Schallschutz zwischen Räumen spürbar.
Die Kellerdecke dämmen Hausbesitzende meist von unten mit Glaswolle-Platten, die an die Decke geklebt oder gedübelt werden. Das senkt den Wärmeverlust in den Keller und erhöht die Fußbodentemperatur im Erdgeschoss. Details zu Aufbau, Kosten und Förderung liefert der Ratgeber zur Kellerdeckendämmung. Wer den kompletten Dachaufbau inklusive Auf- und Untersparrendämmung vergleichen möchte, findet einen Überblick im Grundlagenartikel zur Dachdämmung.
Richtig dämmen mit Glaswolle heißt vor allem: lückenlos verlegen, Stoßfugen versetzen und die Dampfbremse ohne Beschädigung anbringen. Fehlstellen zwischen Dämmplatte und Sparren erzeugen Wärmebrücken und mindern die Dämmwirkung deutlich.
Glaswolle mit Alufolie – wann ist eine Dampfbremse nötig?
Alukaschierte Glaswolle trägt eine Aluminiumfolie als integrierte Dampfbremse. Diese Folie verhindert, dass warme, feuchte Raumluft in die Dämmschicht eindringt und dort kondensiert. Bei der Montage zeigt die Folienseite immer zur beheizten Raumseite. Alternativ verlegen Fachbetriebe unbeschichtete Glaswolle und ergänzen eine separate Dampfbremsfolie oder eine Klimamembran.
Die Klimamembran ist diffusionsoffener als eine klassische Aluminium-Dampfbremse und lässt abhängig von der Luftfeuchte unterschiedlich viel Feuchtigkeit durch. Das reduziert das Risiko von Feuchteschäden bei kleineren Undichtigkeiten in der Luftdichtheitsebene. Welche Variante sich eignet, hängt vom gesamten Wand- oder Dachaufbau ab; ein Energieberater oder Zimmerer legt das im Einzelfall fest.
Was passiert, wenn Glaswolle-Dämmung nass geworden ist?
Nass gewordene Glaswolle verliert ihre Dämmwirkung dauerhaft, auch nach dem Trocknen. Feuchtigkeit lässt die einzelnen Fasern zusammenkleben und die eingeschlossenen Luftpolster kollabieren. Die Wärmeleitfähigkeit steigt dadurch spürbar an. In den meisten Fällen ersetzen Fachbetriebe durchnässte Glaswolle vollständig, statt sie zu trocknen und wiederzuverwenden.
Glaswolle selbst ist nicht organisch und bietet Schimmelpilzen daher keine Nahrungsgrundlage. Über Jahre abgelagerter Staub auf den Fasern kann jedoch als Nährboden dienen, wenn dauerhaft Feuchtigkeit vorhanden ist. Deshalb schützt eine intakte Dampfbremse die Dämmschicht zuverlässig vor Kondensat aus dem Innenraum. Bei einem Wasserschaden von außen, etwa durch ein undichtes Dach, prüft ein Fachbetrieb die betroffene Fläche und tauscht durchfeuchtete Bereiche gezielt aus.
Glaswolle oder Steinwolle – was ist der Unterschied?
Glaswolle ist leichter und günstiger, Steinwolle bietet besseren Brand- und Schallschutz. Beide Materialien zählen zur Mineralwolle, unterscheiden sich aber deutlich in Rohdichte und Einsatzschwerpunkt.
| Merkmal | Glaswolle | Steinwolle |
|---|---|---|
| Rohdichte | 15–150 kg/m³ | 30–220 kg/m³ |
| Brandverhalten | Baustoffklasse A1, schmilzt bei niedrigeren Temperaturen | Baustoffklasse A1, hitzebeständiger |
| Schallschutz | gut, begrenzt durch geringere Masse | besser durch höhere Rohdichte |
| Preis | günstiger | teurer |
| Typischer Einsatzort | Zwischensparren, Trockenbau, Kellerdecke | Fassaden-WDVS, hohe Brand-/Schallschutzanforderungen |
Für die Zwischensparrendämmung im Dach oder eine Trockenbauwand reicht die geringere Rohdichte von Glaswolle meist aus, und der niedrigere Preis macht sie zur häufigsten Wahl. An der Fassade, bei Brandwänden oder in mehrgeschossigen Gebäuden mit hohen Schallschutzanforderungen setzen Fachbetriebe dagegen öfter Steinwolle ein. Ein ausführlicher Praxisvergleich beider Materialien steht im Ratgeber Dämmen mit Steinwolle. Er zeigt Aufbau, Materialauswahl und Kosten für Steinwolle im Detail.
Wie entsorgen Sie Glaswolle-Dämmung fachgerecht?
Glaswolle gehört weder in den Hausmüll noch in den Sperrmüll, sondern in die getrennte Mineralwolle-Entsorgung. Ausschlaggebend ist das Herstellungsdatum. Glaswolle mit RAL-Gütezeichen RAL-GZ 388, produziert nach dem 1. Juni 2000, gilt als ungefährlicher Abfall unter dem Abfallschlüssel 170604. Ältere Mineralwolle ohne Freizeichnungsnachweis gilt als gefährlicher Abfall unter dem Abfallschlüssel 170603 und muss entsprechend gekennzeichnet transportiert werden.
Bei der Entsorgung verpacken Fachbetriebe die Dämmreste staubdicht in speziellen Kunststoffsäcken für künstliche Mineralfasern. Lose Fasern gelangen so nicht in die Atemluft. Ein stoffliches Recycling von Glaswolle-Abfällen findet in Deutschland bislang kaum statt; der überwiegende Teil wird nach der getrennten Erfassung deponiert. Wertstoffhöfe und Entsorgungsfachbetriebe nehmen kleinere Mengen an, für größere Umbauprojekte lohnt sich ein Container speziell für Mineralwolle.
Wie hoch ist die Förderung für Glaswolle-Dämmung 2026?
Die BAFA fördert Glaswolle-Dämmung an Dach, Wand oder Kellerdecke als Einzelmaßnahme mit 15 % Grundförderung. Zuständig ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM). Voraussetzung ist die Einhaltung der geforderten U-Werte nach der technischen Mindestanforderung sowie die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten in den Förderantrag.
Mit einem gültigen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erhöht sich der Fördersatz um 5 Prozentpunkte. Seit der Reform vom 21. Juli 2026 gilt dabei eine wichtige Einschränkung: Der iSFP-Bonus greift erst ab einem förderfähigen Investitionsvolumen von 30.000 € und dann nur für den Kostenanteil, der diese Grenze übersteigt. Was ein individueller Sanierungsfahrplan ist und wie er den Förderantrag strukturiert, erklärt der Grundlagenartikel zum individuellen Sanierungsfahrplan. Ob sich der Aufwand für einen iSFP im konkreten Fall finanziell lohnt, rechnet der Beitrag Wann lohnt sich ein iSFP? vor.
Alternativ zur BAFA-Förderung lässt sich eine Glaswolle-Dämmung über drei Jahre steuerlich absetzen (§ 35c EStG). Beide Förderwege lassen sich für dieselbe Maßnahme nicht kombinieren.
Häufig gestellte Fragen zur Glaswolle-Dämmung
Ist Glaswolle schädlich bzw. gesundheitsschädlich?
Glaswolle, die nach dem 1. Juni 2000 hergestellt wurde und das RAL-Gütezeichen RAL-GZ 388 trägt, gilt nach heutigem Kenntnisstand nicht als krebserregend. Mineralwolle, die vor 1996 produziert wurde, stuft das Umweltbundesamt dagegen als möglicherweise krebserregend ein. Seit dem 1. Juni 2000 verbieten die Gefahrstoffverordnung und die Chemikalien-Verbotsverordnung in Deutschland die Herstellung und Verwendung von Mineralwolle, die festgelegte Freizeichnungskriterien nicht erfüllt. Intakte, bereits verbaute Glaswolle-Dämmung muss deshalb in der Regel nicht entfernt werden, solange sie hinter einer dichten Verkleidung liegt. Beim Rückbau oder Zuschnitt schützt trotzdem eine Atemschutzmaske der Klasse FFP2 vor freigesetzten Fasern und Staub.
Wie dick muss eine Glaswolle-Dämmung sein?
Für die Zwischensparrendämmung am Dach sind 140 bis 200 mm üblich, für Vorsatzschalen im Trockenbau reichen 40 bis 60 mm. Die genaue Dämmstärke richtet sich nach dem angestrebten U-Wert und dem verfügbaren Hohlraum. Die Stärken-Tabelle weiter oben zeigt die rechnerischen U-Werte für gängige Dicken.
Ist Glaswolle oder Steinwolle die bessere Wahl?
Für Zwischensparren, Trockenbau und Kellerdecke genügt meist Glaswolle, für Fassaden-WDVS und hohe Brandschutzanforderungen eignet sich Steinwolle besser. Glaswolle ist leichter und günstiger. Steinwolle bietet durch die höhere Rohdichte einen stärkeren Schall- und Hitzeschutz.
Wie wird Glaswolle-Dämmung fachgerecht entsorgt?
Glaswolle gehört in die getrennte Mineralwolle-Entsorgung, verpackt in staubdichten Säcken. Neue Glaswolle mit RAL-Gütezeichen gilt als ungefährlicher Abfall, ältere Mineralwolle ohne Freizeichnungsnachweis als gefährlicher Abfall. Wertstoffhöfe und Entsorgungsfachbetriebe nehmen beide Abfallarten getrennt an.
Kann ich Glaswolle-Dämmung selbst verlegen?
Für Zwischensparrendämmung und Trockenbau ist Eigenleistung mit Glaswolle grundsätzlich möglich. Wichtig sind eine lückenlose Verlegung, versetzte Stoßfugen und eine luftdicht verklebte Dampfbremse. Für Fassadendämmung und tragende Konstruktionen übernimmt ein Fachbetrieb die Montage, da hier Formstabilität und Anschlussdetails entscheidend sind.
Umweltbundesamt, Factsheet Mineralwolle, Fachgebiet III 2.2, Stand Mai 2019; Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) Anhang II zu § 16 Absatz 2; Chemikalien-Verbotsverordnung (ChemVerbotsV) Anlage 1 zu § 3; DIN EN 13162, Wärmedämmstoffe für Gebäude – Mineralwolle; DIN EN 13501-1, Brandverhalten von Bauprodukten; Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle, Stand Juli 2026; Einkommensteuergesetz § 35c.


