iSFP-Beispiel: So sieht ein individueller Sanierungsfahrplan konkret aus
Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) besteht aus zwei Dokumenten mit konkreten Zahlen, Tabellen und Handlungsempfehlungen für Ihr Gebäude. Anhand eines durchgerechneten Beispielhauses zeigt dieser Beitrag, wie eine Fahrplanseite und eine Umsetzungshilfe inhaltlich aufgebaut sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Beispielhaus: Einfamilienhaus, Baujahr 1975, 140 m² Wohnfläche, unsaniert, Gasheizung
- Fahrplanseite zeigt 4 Maßnahmenpakete mit Ampel-Einstufung von Dunkelrot bis Dunkelgrün
- Primärenergiebedarf sinkt im Modell von 245 auf 48 kWh/(m²a) nach allen 4 Paketen
- Umsetzungshilfe nennt je Maßnahme Wärmeleitfähigkeitsstufe, Dämmstoffdicke und U-Wert vorher/nachher
- Beispielrechnung: förderfähige Gebäudehüllen-Kosten gedeckelt bei 60.000 € mit iSFP, Gesamtförderung 10.500 €
- Der iSFP ersetzt keine Ausführungsplanung und keine Handwerker-Ausschreibung
- Alle Zahlen in diesem Beitrag sind ein illustratives Rechenbeispiel, kein realer Fahrplan
Wie sieht ein individueller Sanierungsfahrplan an einem konkreten Beispiel aus?
Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) besteht am Beispiel eines typischen Altbaus aus einer Fahrplanseite mit 4 Maßnahmenpaketen und einer technischen Umsetzungshilfe mit Dämmwerten je Bauteil. Um das konkret zu zeigen, arbeitet dieser Beitrag mit einem durchgängigen Modellhaus: ein Einfamilienhaus, Baujahr 1975, 140 m² Wohnfläche, bisher unsaniert, beheizt mit einem alten Gaskessel. Was ein iSFP grundsätzlich ist, wer ihn erstellt und was er kostet, erklärt der Grundlagenartikel zum individuellen Sanierungsfahrplan. Wie die Erstellung als Prozess abläuft, von der Beauftragung bis zur BAFA-Auszahlung, zeigt der Beitrag zum iSFP-Ablauf. Dieser Beitrag setzt dort an, wo beide Artikel aufhören: Er zeigt anhand von Beispielzahlen, was inhaltlich in den beiden Enddokumenten steht.
Alle Werte in den folgenden Tabellen sind ein selbst konstruiertes Rechenbeispiel für das genannte Modellhaus. Sie orientieren sich an der Struktur echter dena- und BAFA-Mustervorlagen für den iSFP, geben aber keine reale Beratung wieder. Ein echter Fahrplan für Ihr Gebäude weicht von diesen Zahlen ab, je nach Bauzustand, Standort und individuellem Nutzerverhalten.
Wer vor der Beauftragung wissen möchte, wie konkret ein bezahltes Dokument am Ende aussieht, findet in den beiden folgenden Abschnitten die zwei zentralen Bausteine: die Fahrplanseite mit den Maßnahmenpaketen und einen Beispieleintrag aus der technischen Umsetzungshilfe. Beide Dokumente erhalten Sie im Original als Ausdruck und als PDF, meist im Umfang von 20 bis 30 Seiten je nach Anzahl der Maßnahmenpakete.
Wie sieht die Fahrplanseite mit den Maßnahmenpaketen im Beispiel aus?
Die Fahrplanseite ordnet die empfohlenen Maßnahmen in der Praxis meist 4 aufeinander aufbauenden Paketen zu und zeigt zu jedem Paket Energiekennwerte, Investitionskosten und eine Ampel-Einstufung. Für das Modellhaus ergibt sich folgendes Bild, vom unsanierten Ist-Zustand bis zum Zielzustand nach der letzten Maßnahme.
| Stufe | Enthaltene Maßnahmen | Endenergie / Primärenergie (kWh/m²a) | Investitionskosten | Ampel-Einstufung |
|---|---|---|---|---|
| Ist-Zustand | unsaniert, Gaskessel, Baujahr 1975 | 215 / 245 | – | Dunkelrot |
| Paket 1 | Dämmung Kellerdecke, hydraulischer Abgleich | 195 / 222 | 9.500 € | Rot |
| Paket 2 | Dämmung Dach, neue Dachflächenfenster | 150 / 170 | 28.000 € | Orange |
| Paket 3 | Dämmung Außenwände, neue Fenster und Haustür, Lüftung mit Wärmerückgewinnung | 95 / 108 | 52.000 € | Hellgrün |
| Paket 4 | Wärmepumpe statt Gaskessel, Photovoltaikanlage 8 kWp | 55 / 48 | 34.000 € | Dunkelgrün |
Jedes Paket setzt technisch auf dem vorherigen auf. Die Kellerdeckendämmung aus Paket 1 wird beispielsweise so ausgeführt, dass sie an die spätere Außenwanddämmung aus Paket 3 anschließt, ohne dass Handwerksbetriebe bereits gedämmte Flächen erneut öffnen müssen. Diese Reihenfolge ist einer der zentralen Werte eines iSFP: Sie verhindert, dass eine früh umgesetzte Maßnahme eine spätere technisch erschwert oder verteuert.
Zu jedem Paket nennt die Fahrplanseite im Original zusätzlich einen Auslöser, also einen Zeitpunkt oder Anlass für die Umsetzung. Im Modellhaus wäre das für Paket 1 etwa der ohnehin fällige Austausch der Heizung, für Paket 2 eine geplante Neueindeckung des Dachs und für Paket 3 die Sanierung der Fassade nach 50 Jahren Standzeit. Paket 4 folgt typischerweise erst, wenn die Gebäudehülle so weit gedämmt ist, dass eine Wärmepumpe die Heizlast effizient decken kann. Diese Kopplung an ohnehin anstehende Arbeiten senkt die tatsächlichen Mehrkosten der Sanierung gegenüber einer isolierten Einzelmaßnahme.
Wie ist die Ampel-Einstufung im Beispiel zu lesen?
Die Ampel-Einstufung ordnet den energetischen Zustand des Gebäudes anhand des Primärenergiebedarfs auf einer Skala von Dunkelrot bis Dunkelgrün ein. Reale dena- und BAFA-Mustervorlagen hinterlegen dafür feste Primärenergie-Schwellen: Werte bis 30 kWh/(m²a) gelten als fortschrittlicher Standard, bis 60 kWh/(m²a) als Neubau-Niveau, bis 130 kWh/(m²a) als teilsaniert, darüber als teilsaniert oder unsaniert. Im Modellhaus startet der Ist-Zustand mit 245 kWh/(m²a) deutlich über dieser Skala und landet nach Paket 4 bei 48 kWh/(m²a), knapp im Neubau-Bereich. Ein Passivhaus-Niveau erreicht das Beispielhaus damit nicht, wohl aber einen energetischen Standard, der nahe an heutigen Neubau-Anforderungen liegt.
Was steht in der Umsetzungshilfe zu einer einzelnen Maßnahme, zum Beispiel der Dachdämmung?
Die Umsetzungshilfe übersetzt jede Maßnahme aus der Fahrplanseite in technische Vorgaben, die Handwerksbetriebe direkt für ein Angebot nutzen können. Für die Dachdämmung aus Paket 2 nennt sie im Modellbeispiel die Wärmeleitfähigkeitsstufe des empfohlenen Dämmstoffs, die vorgeschlagene Dämmstoffdicke sowie den U-Wert vor und nach der Maßnahme.
| Kenngröße | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| U-Wert Dach | 1,10 W/(m²K) | 0,20 W/(m²K) |
| Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) | – | 035 |
| Dämmstoffdicke | – | 18 cm |
| GEG-Anforderung an Dächer bei Sanierung | – | ≤ 0,24 W/(m²K) |
Die Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) ist eine amtliche Klassifizierung für Dämmstoffe, die früher unter dem Begriff Wärmeleitgruppe (WLG) bekannt war, mit einer Skala von etwa 010 bis 100. Je niedriger die Zahl, desto besser dämmt das Material bei gleicher Dicke. Ein Dämmstoff der Stufe 035 muss dicker ausgeführt werden als einer der Stufe 020, um denselben U-Wert zu erreichen. Zu jeder Maßnahme ergänzt die Umsetzungshilfe im Original zusätzlich eine Kurzbeschreibung der Ausführung, praktische Hinweise zu Anschlüssen und Wärmebrücken sowie Punkte, auf die Sie beim Handwerkerangebot achten sollten. Für das Beispielhaus würde ein solcher Eintrag festhalten, dass die Zwischensparrendämmung von außen eingebracht wird, während das Dach ohnehin neu eingedeckt wird, und dass die Dämmung bis zu den Mauerkronen der Außenwände geführt werden sollte, um spätere Wärmebrücken zu Paket 3 zu vermeiden.
Für die Kellerdeckendämmung aus Paket 1 sähe der entsprechende Eintrag im Modell ähnlich aus, nur mit anderen Zahlen: 10 cm Dämmplatten der Wärmeleitfähigkeitsstufe 032, angebracht an der Unterseite der Decke, mit einem U-Wert von 0,24 W/(m²K) nach der Maßnahme gegenüber rund 1,3 W/(m²K) im ungedämmten Ausgangszustand. Diese Parallele zeigt, warum ein Vergleich zwischen zwei Handwerkerangeboten ohne die Umsetzungshilfe kaum möglich ist: Erst die genaue Angabe von Dämmstoffdicke und Wärmeleitfähigkeitsstufe macht zwei Angebote fachlich vergleichbar.
Was kostet die Beispielsanierung, und wie wirkt der iSFP-Bonus in der Förderung?
Für die Gebäudehülle aus den Paketen 1 bis 3 ergibt die Modellrechnung förderfähige Kosten von 70.300 Euro, die mit gültigem iSFP bei 60.000 Euro gedeckelt werden. Die Fördersätze folgen der aktuellen BEG-Einzelmaßnahmen-Logik: 15 Prozent Grundförderung plus 5 Prozentpunkte iSFP-Bonus auf den Kostenanteil oberhalb von 30.000 Euro je Wohneinheit, wie der Beitrag zur iSFP-Förderung im Detail herleitet.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Investitionskosten Pakete 1 bis 3 | 89.500 € |
| davon Instandhaltungsanteil (Sowieso-Kosten) | 19.200 € |
| Förderfähige Kosten | 70.300 € |
| Kostendeckel mit iSFP (1. Wohneinheit) | 60.000 € |
| Grundförderung (15 %) | 9.000 € |
| iSFP-Bonus (5 Pp. auf Kosten über 30.000 €) | 1.500 € |
| Gesamtförderung | 10.500 € |
Vom Deckel ausgenommen bleibt der Instandhaltungsanteil: Kosten, die ohnehin angefallen wären, etwa weil der alte Heizkessel unabhängig von der Sanierung das Lebensende erreicht. Der eigentliche Sanierungs-Mehraufwand für die Gebäudehülle liegt damit rechnerisch bei rund 59.800 Euro nach Abzug von Instandhaltungsanteil und Förderung. Bei einer angenommenen jährlichen Energiekosteneinsparung von rund 2.500 Euro amortisiert sich dieser Betrag im Modell in etwa 24 Jahren, ohne Berücksichtigung künftiger Energiepreissteigerungen. Detaillierte Rechenbeispiele zu unterschiedlichen Gebäudetypen und Honoraren für die Erstellung selbst liefert der Beitrag zu iSFP-Kosten.
Der Heizungstausch in Paket 4, also Wärmepumpe und Photovoltaikanlage, läuft förderrechtlich getrennt über die KfW-Heizungsförderung BEG 458 mit eigenen Sätzen und ohne iSFP-Bonus. Für dieses Paket braucht es deshalb eine separate Förderrechnung, die im Beitrag zur iSFP-Förderung ebenfalls eingeordnet wird.
Was steht nicht im individuellen Sanierungsfahrplan?
Ein iSFP ersetzt keine Ausführungsplanung, keine Handwerker-Ausschreibung und keinen Bauvertrag. Die im Beispiel genannten Investitionskosten sind ein Kostenüberschlag zum Zeitpunkt der Beratung, kein verbindliches Angebot eines Handwerksbetriebs. Vier Punkte fehlen in jedem iSFP grundsätzlich, unabhängig vom Gebäude:
- Verbindliche Ausführungsplanung: Details wie Wärmebrückenberechnungen, Lüftungskonzepte im Detail oder statische Nachweise erstellt weiterhin eine Fachplanung.
- Handwerker-Ausschreibung: Die Umsetzungshilfe liefert Kenngrößen für Angebote, ersetzt aber nicht das Einholen und Vergleichen mehrerer Angebote.
- Aktuelle Förderkonditionen zum Umsetzungszeitpunkt: Fördersätze ändern sich, teils kurzfristig. Die im iSFP genannten Beträge gelten zum Erstellungsdatum und sind vor jeder Antragstellung neu zu prüfen.
- Bauliche Zustandsprüfung im Detail: Verdeckte Schäden wie Feuchtigkeit im Mauerwerk oder Schädlingsbefall werden bei der Vor-Ort-Begehung nicht flächendeckend geprüft, sondern nur im sichtbaren Rahmen erfasst.
Für die Umsetzung jeder einzelnen Maßnahme bleiben Sie deshalb auf Fachplanung und Handwerksbetriebe angewiesen. Der iSFP liefert die Grundlage und die Reihenfolge, nicht die fertige Bauplanung.
dena/BAFA-Mustervorlagen für „Mein Sanierungsfahrplan" und „Umsetzungshilfe für meine Maßnahmen" (Struktur von Fahrplanseite, Ampel-Farbskala und Maßnahmenblättern); BAFA – Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle, Investitionsvolumen und Förderhöhe, Stand Juli 2026; Gebäudeenergiegesetz (GEG), Anlage zu Höchstwerten der Wärmedurchgangskoeffizienten bei Änderung von Außenbauteilen.


