
Grundwasserwärmepumpe: Kosten, Genehmigung Bayern und Brunnen-Tiefe 2025
Eine Grundwasserwärmepumpe (Wasser-Wasser-Wärmepumpe) nutzt zwei Brunnen zur thermischen Nutzung von Grundwasser mit konstanter Quelltemperatur 8-12°C für Jahresarbeitszahlen 5,0-6,5. Die Investition liegt bei 30.000-50.000 EUR vor Förderung, wobei die BEG 2025 bis 70% Zuschuss (max. 21.000 EUR) gewährt bei Erfüllung der Effizienzkriterien.

Schnellübersicht: Grundwasserwärmepumpe vs. Alternativen
Die Grundwasserwärmepumpe erreicht höchste Effizienz aller Systeme durch konstante Quelltemperatur unabhängig von Außentemperatur, erfordert jedoch hydrogeologische Eignung (Wassermenge, Chemie, Genehmigungsfähigkeit) und trägt Verockerungsrisiko bei Eisen >0,2 mg/L oder Mangan >0,05 mg/L.
Methodologie und Quellen
Technische Grundlagen: VDI 4640 Blatt 1+2 (Erdgekoppelte Wärmepumpen, hydrogeologische Auslegung), DIN 8901 (Brunnenbau), Herstellerdatenblätter Stiebel Eltron WPE-I, Vaillant flexoTHERM, Viessmann Vitocal 300-G.
Hydrogeologie: Wasserwirtschaftsamt München Grenzwerte Wasserchemie, TH Köln Studien Verockerungsmechanismen Eisenoxid/Manganoxid, Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) Merkblatt Grundwassernutzung thermisch.
Rechtliche Basis: Wasserhaushaltsgesetz (WHG) §9 Gewässerbenutzung, Bayerisches Wassergesetz (BayWG) Art. 70 Private Sachverständige (PSW), Referat für Klima München Antragsformulare Bohranzeige.
Förderlandschaft: BEG Einzelmaßnahmen 2025 (KfW 458), Bayerisches 10.000-Häuser-Programm Ergänzungsförderung, Landeshauptstadt München FES Klimaneutrale Gebäude.
Wie funktioniert eine Grundwasserwärmepumpe physikalisch?
Das Prinzip der Grundwasserwärmepumpe unterscheidet sich fundamental von allen anderen Wärmepumpen-Typen durch ihren offenen Kreislauf. Während Luft-Wasser-Wärmepumpen die Außenluft und Erdwärmepumpen ein geschlossenes Sole-System nutzen, zapft die Grundwasserwärmepumpe direkt den Grundwasserleiter an.
Das Zwei-Brunnen-System: Entnahme und Rückgabe
Der Kern des Systems sind zwei separate Brunnen, die in präzisem hydraulischen Verhältnis zueinander stehen müssen. Der Förderbrunnen (auch Saugbrunnen) entnimmt kontinuierlich Grundwasser – typischerweise 1.000-2.000 Liter pro Stunde für ein Einfamilienhaus. Das Wasser hat je nach Tiefe und Jahreszeit eine konstante Temperatur zwischen 8°C und 12°C. Diese Stabilität ist der entscheidende Vorteil: Während eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bei -10°C Außentemperatur mit dramatisch sinkender Effizienz kämpft (COP fällt von 4,5 auf 2,5), arbeitet die Grundwasserwärmepumpe unbeeindruckt weiter mit ihren 10°C Quelltemperatur.
Das geförderte Wasser durchströmt den Verdampfer der Wärmepumpe. Hier entzieht ein Kältemittel (typisch R410A oder zunehmend R290 Propan bei neueren Modellen) dem Wasser die thermische Energie. Das Wasser kühlt dabei um etwa 3-5 Kelvin ab – aus 10°C werden 5-7°C. Dieses abgekühlte Wasser darf nicht einfach versickern oder in die Kanalisation. Es muss über den Schluckbrunnen (Rückgabebrunnen) wieder dem Grundwasserleiter zugeführt werden, um den hydrologischen Kreislauf nicht zu stören.
Die thermodynamische Überlegenheit zeigt sich in der Arbeitszahl. Der COP (Coefficient of Performance) einer Wärmepumpe hängt direkt vom Temperaturhub ab:
COP_Carnot = T_Kondensation / (T_Kondensation - T_Verdampfung)
Bei einer Grundwasserwärmepumpe mit 10°C Quelle und 35°C Vorlauftemperatur für Fußbodenheizung errechnet sich (vereinfacht, reale Werte 50-60% des Carnot-Wirkungsgrads):
T_Verdampfung ≈ 7°C = 280 KT_Kondensation ≈ 40°C = 313 KCOP_Carnot = 313 / (313-280) = 9,5COP_real ≈ 5,5-6,0
Zum Vergleich eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bei -5°C Außenluft:T_Verdampfung ≈ -10°C = 263 KT_Kondensation = 313 K
COP_Carnot = 313 / (313-263) = 6,3COP_real ≈ 3,0-3,5
Der Temperaturhub ist bei Grundwasser nur 33 Kelvin statt 50 Kelvin bei Luft. Physik gewinnt.
Warum die Brunnen-Anordnung kritisch ist
Ein häufiger Fehler in der Planung, der zur vorzeitigen Auskühlung des Systems führt, ist die falsche Positionierung der Brunnen zueinander. Das Problem: Der Schluckbrunnen gibt 5°C kaltes Wasser in den Untergrund zurück. Dieses kalte Wasser bildet eine unterirdische "Kältefahne", die sich mit der Grundwasserströmung bewegt.
Steht der Förderbrunnen in Fließrichtung vor dem Schluckbrunnen (also oberstromig), saugt er immer frisches, unbeeinflusstes Grundwasser an. Optimal. Steht er jedoch hinter dem Schluckbrunnen (abstromig), wird er nach Wochen oder Monaten beginnen, das eigene abgekühlte Wasser wieder anzusaugen. Ein thermischer Kurzschluss entsteht. Die Quelltemperatur sinkt von 10°C auf 7°C, dann 5°C. Die Arbeitszahl bricht ein von JAZ 5,5 auf 3,8. Im Extremfall friert das System ein.
Die VDI 4640 Blatt 2 fordert daher einen Mindestabstand von 10-15 Metern zwischen den Brunnen, abhängig von der Grundwasserfließgeschwindigkeit. In Kiesböden der Münchner Schotterebene mit hohen Fließgeschwindigkeiten (1-5 m/Tag) reichen 10 Meter oft aus. In tonigen Böden mit langsamerer Strömung (0,1-0,5 m/Tag) werden 15-20 Meter empfohlen.
Die Fließrichtung muss vorab durch ein hydrogeologisches Gutachten bestimmt werden – meist durch Installation von drei Grundwassermessstellen im Dreieck und Messung des Wasserspiegels über mehrere Tage. Daraus lässt sich der hydraulische Gradient und die Fließrichtung berechnen.
Für wen eignet sich eine Grundwasserwärmepumpe wirklich?
Die Grundwasserwärmepumpe ist das effizienteste Heizsystem der Welt – aber auch das anspruchsvollste in Bezug auf Standortvoraussetzungen. Die Entscheidung fällt nicht am Wärmepumpen-Typ, sondern am Grundstück.
Voraussetzung 1: Ausreichende Wassermenge (kritisch!)
Eine Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus (10-12 kW Heizleistung) benötigt etwa 1.500-2.000 Liter Grundwasser pro Stunde. Bei einer Betriebszeit von 2.000 Stunden pro Jahr (Heizperiode) sind das 3-4 Millionen Liter über die Lebensdauer. Der Grundwasserleiter muss diese Menge liefern können, ohne dass der Wasserspiegel im Förderbrunnen stark absinkt (Absenkung max. 2-3 Meter zulässig).
Die erforderliche Ergiebigkeit des Brunnens wird in Litern pro Sekunde angegeben. Faustregel:
Q_min = P_WP / (c_Wasser × ΔT × JAZ)
Wobei:
- P_WP = Wärmepumpen-Heizleistung [kW]
- c_Wasser = 4,18 kJ/(kg·K)
- ΔT = Temperaturspreizung [K], typisch 4-5 K
- JAZ = Jahresarbeitszahl, etwa 5,0
Für 12 kW Wärmepumpe:Q_min = 12 / (4,18 × 4,5 × 5,0) = 0,13 kg/s ≈ 0,13 L/s = 7,8 L/min = 468 L/h
Inkl. Sicherheitspuffer benötigt man etwa 800-1.000 L/h Dauerleistung vom Brunnen.
Ob das Grundstück diese Menge liefert, zeigt erst der Pumpversuch. Dabei wird der Brunnen über 8-24 Stunden mit der geplanten Entnahmemenge betrieben und die Absenkung des Wasserspiegels gemessen. Bleibt die Absenkung unter 2-3 Metern, ist die Ergiebigkeit ausreichend. Fällt der Spiegel um 5-8 Meter oder mehr, wird kritisch – entweder ist der Brunnen zu flach gebohrt (Filterstrecke nicht optimal im Grundwasserleiter) oder der Aquifer ist zu gering durchlässig.
In Süddeutschland, speziell der Münchner Schotterebene, sind die Bedingungen ideal: Mächtige Kiesschichten mit Durchlässigkeiten von 10⁻² bis 10⁻³ m/s liefern problemlos 5-10 Liter pro Sekunde. In Norddeutschland mit dichteren Sandböden oder gar Tonlinsen kann es kritisch werden.
Voraussetzung 2: Wasserchemie (das Verockerungs-Problem)
Das größte Risiko der Grundwasserwärmepumpe ist die Verockerung – die schleichende Verstopfung des Schluckbrunnens und der Wärmetauscher durch Ausfällungsprodukte. Der Mechanismus ist tückisch: Grundwasser ist unter der Erde oft sauerstofffrei und enthält gelöstes zweiwertiges Eisen (Fe²⁺) und Mangan (Mn²⁺). Kommt dieses Wasser mit Sauerstoff in Kontakt (etwa beim Fördern durch die Pumpe oder durch Undichtigkeiten im System), oxidieren die Metalle zu dreiwertigem Eisen (Fe³⁺) und vierwertigem Mangan (Mn⁴⁺). Diese fallen als Eisenhydroxid (rostroter "Ocker") und Manganoxid (schwarzer Schlamm) aus.
Die Ablagerungen setzen sich in den Poren des Schluckbrunnens fest. Dessen Schluckfähigkeit sinkt von anfangs 2.000 L/h auf 1.200 L/h nach zwei Jahren, dann 600 L/h nach fünf Jahren. Die Wärmepumpe kann das Wasser nicht mehr loswerden, der Durchfluss bricht ein, die Anlage schaltet auf Störung. Die Sanierung: Chemische Brunnenregenerierung mit Salzsäure oder Phosphorsäure (Kosten 1.500-3.000 EUR) oder im Extremfall Neubohrung (10.000+ EUR).
Die Grenzwerte, ab denen dieses Risiko akut wird:
Eine Wasseranalyse aus dem Probebrunnen ist daher Pflicht. Kosten: 150-300 EUR für ein Standardpaket (pH, Leitfähigkeit, Eisen, Mangan, Härte, Sauerstoff, Sulfat, Chlorid). Bei kritischen Werten gibt es Lösungen: Ein Zwischenwärmetauscher (Plattenwärmetauscher aus Edelstahl oder Titan) trennt das aggressive Grundwasser vom empfindlichen Verdampfer der Wärmepumpe. Der Zwischenkreis läuft mit sauberem Wasser oder Sole. Nachteil: Die JAZ sinkt um etwa 0,3-0,5 Punkte (von 5,5 auf 5,0) durch den zusätzlichen Wärmeübergang. Vorteil: Der Verdampfer bleibt sauber, nur der robuste Plattenwärmetauscher muss alle 5-8 Jahre gereinigt werden.
Voraussetzung 3: Genehmigungsfähigkeit (Wasserrecht)
Die thermische Nutzung von Grundwasser ist eine Gewässerbenutzung nach §9 Wasserhaushaltsgesetz und immer genehmigungspflichtig. Kein Bauherr kann einfach einen Brunnen bohren und Wasser entnehmen. Die Genehmigung wird von der unteren Wasserbehörde (Landratsamt oder kreisfreie Stadt) erteilt nach Prüfung eines hydrogeologischen Gutachtens.
Ausschlusskriterien, bei denen keine Genehmigung erteilt wird:
- Wasserschutzgebiet Zone I oder II: Absolutes Verbot. In Zone III Einzelfallprüfung mit strengen Auflagen (oft nur mit PSW-Gutachten und Auflagen wie biologisch abbaubare Spülflüssigkeiten bei Bohrung, doppelwandige Brunnenrohre).
- Altlastenverdachtsflächen: Wenn das Grundstück im Altlastenkataster steht (z.B. ehemalige Tankstelle, Industriebrache), wird keine Genehmigung erteilt. Begründung: Die veränderte Hydraulik durch Entnahme/Rückgabe könnte Schadstoffe mobilisieren und in den Grundwasserleiter verteilen.
- Gespanntes Grundwasser (Artesisch): Wenn mehrere Grundwasserstockwerke übereinander liegen, getrennt durch stauende Tonschichten, dürfen diese nicht durchbohrt werden. Ansonsten vermischen sich die Stockwerke, und der hydraulische Druck wird zerstört.
In Bayern existiert für Kleinanlagen unter 50 kW Heizleistung (typisch Einfamilienhaus) eine Erleichterung: Der Antrag kann über einen Privaten Sachverständigen in der Wasserwirtschaft (PSW) gestellt werden. Dieser prüft vorab, erstellt das Gutachten und reicht den Antrag "entscheidungsreif" ein. Die Behörde folgt meist der PSW-Empfehlung, was das Verfahren auf 2-4 Monate beschleunigt (statt 6-12 Monate ohne PSW).
Was kostet eine Grundwasserwärmepumpe 2025 realistisch?
Die Kostenfrage bei Grundwasserwärmepumpen ist komplex, weil zwei Drittel der Investition vom Standort abhängen und nicht vom gewählten Gerät.
Die drei Kostenblöcke
Block 1: Erschließung (Brunnenbau) – Die Variable
Die Brunnenkosten hängen primär von der Tiefe des Grundwasserleiters ab. In Süddeutschland, speziell München und Umland, liegt das Grundwasser oft flach bei 5-12 Metern unter Geländeoberkante. Hier sind Rammbrunnen oder einfache Spülbohrungen möglich. Kosten pro Brunnen: pauschal 800-1.500 EUR. Bei zwei Brunnen (Förder + Schluck): 1.600-3.000 EUR.
In anderen Regionen liegt der Grundwasserleiter tiefer – 15-30 Meter sind keine Seltenheit, in Mittelgebirgslagen auch 40-50 Meter. Hier wird nach Meter abgerechnet. Die Meterpreise variieren je nach Untergrund:
- Kies/Sand (leicht): 80-120 EUR/Meter
- Geschichteter Boden (Sand/Ton): 110-150 EUR/Meter
- Fels/Festgestein (aufwendig): 150-250 EUR/Meter
Ein 25 Meter tiefer Brunnen in geschichtetem Boden kostet 25 m × 130 EUR = 3.250 EUR. Zwei Brunnen: 6.500 EUR. Hinzu kommen Materialkosten für Brunnenrohre (PVC, DN 125-150, typisch 25-40 EUR/Meter), Filterkies, Tonsperre – pauschal 800-1.500 EUR pro Brunnen.
Zusätzliche Erschließungskosten:
- Brunnenpumpe (Unterwasserpumpe, hocheffizient): 500-1.500 EUR
- Pumpversuch (8-24 Stunden Dauertest): 500-1.000 EUR
- Wasseranalyse Labor: 150-300 EUR
- Hydrogeologisches Gutachten (bei PSW integriert): 800-2.000 EUR
Erschließung gesamt: 4.000-15.000 EUR (extrem standortabhängig)
Block 2: Maschinentechnik (Wärmepumpe + Hydraulik)
Die Wärmepumpe selbst ist der "Fixkostenblock", wenig Varianz zwischen Herstellern:
- Wasser-Wasser-Wärmepumpe 10-12 kW (Viessmann Vitocal 300-G, Stiebel Eltron WPE-I, Vaillant flexoTHERM): 12.000-18.000 EUR
- Pufferspeicher 500-800 L (oft nötig für Hydraulik-Entkopplung): 1.500-3.000 EUR
- Warmwasserspeicher 300 L (wenn nicht integriert): 1.200-2.000 EUR
- Optional Zwischenwärmetauscher (bei kritischer Wasserchemie): 1.500-3.000 EUR
Maschinentechnik gesamt: 14.000-24.000 EUR
Block 3: Installation und Peripherie
- Hydraulische Anbindung an Heizkreise: 2.000-4.000 EUR
- Elektrische Installation (400V Drehstrom, Schaltschrank): 1.500-2.500 EUR
- Hydraulischer Abgleich: 800-1.200 EUR
- Inbetriebnahme, Einregulierung: 500-1.000 EUR
Installation gesamt: 5.000-9.000 EUR
Gesamtinvestition: 25.000-48.000 EUR vor Förderung.
Förderung 2025: Der BEG-Booster
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) über KfW 458 macht die Grundwasserwärmepumpe finanziell konkurrenzfähig zur Luftwärmepumpe. Die Komponenten:
Kritisch: Die Förderung bezieht sich auf maximal 30.000 EUR förderfähige Kosten für die erste Wohneinheit. Bei 70% sind das maximal 21.000 EUR Zuschuss.
Rechenbeispiel Einfamilienhaus Sanierung:
Gesamtkosten: 38.000 EUR (Brunnen 8.000, Technik 20.000, Installation 10.000)Förderung: 30% Basis + 20% Geschwindigkeit + 5% Effizienz = 55%Fördersumme: 55% von 30.000 EUR (gedeckelt) = 16.500 EUREigenanteil: 21.500 EUR
Zum Vergleich eine Luft-Wasser-Wärmepumpe (25.000 EUR):Förderung: 50% (ohne Effizienz-Bonus) von 25.000 EUR = 12.500 EUREigenanteil: 12.500 EUR
Die Grundwasserwärmepumpe kostet also 9.000 EUR mehr nach Förderung, liefert aber 15-25% niedrigere Betriebskosten durch JAZ 5,5 statt 4,0.
Genehmigung in Bayern: Der Weg durch den Behörden-Dschungel
Bayern hat aufgrund seiner hydrogeologisch günstigen Lage (Alpenvorland, Schotterebene) eine lange Tradition in der Grundwassernutzung und entsprechend ausgereifte Verwaltungsprozesse.
Schritt 1: Bohranzeige (WHG §49)
Vor jeder Bohrung – unabhängig vom Zweck – muss eine Bohranzeige bei der Kreisverwaltungsbehörde (Landratsamt) eingereicht werden. Frist: Mindestens einen Monat vor Bohrbeginn. Das Formular verlangt:
- Lageplan M 1:5.000 oder genauer mit eingezeichnetem Bohrpunkt
- Geplante Endtiefe
- Bohrverfahren (Rammen, Spülen, Rotary)
- Name des ausführenden Brunnenbauers
Die Behörde prüft, ob das Grundstück in Schutzgebieten, Altlastenflächen oder sonstigen Restriktionszonen liegt. Liegen keine Bedenken vor, wird die Bohrung freigegeben. Kosten: meist keine Gebühr für die Anzeige selbst.
Schritt 2: Wasserrechtliche Erlaubnis (WHG §8)
Parallel oder nach erfolgreicher Bohrung und Pumpversuch muss die wasserrechtliche Erlaubnis zur Nutzung beantragt werden. Hier wird es komplex. Der Antrag umfasst:
- Hydrogeologisches Gutachten (enthält: Grundwasserstand, Fließrichtung aus Messstellen-Dreieck, Ergiebigkeit aus Pumpversuch, Schluckfähigkeit des Rückgabebrunnens)
- Wasseranalyseergebnis (Labor-Zertifikat mit allen relevanten Parametern)
- Technische Beschreibung der Anlage (Wärmepumpe, Durchflussmengen, Temperaturspreizung, Betriebszeiten)
- Lageplan M 1:1.000 mit eingezeichneten Brunnenstandorten, Abständen, Grundstücksgrenzen
- Nachweis, dass Abstand zu Nachbargrundstücken eingehalten wird (mind. 5 Meter zur Grenze üblich)
Kleinanlagenregelung Bayern (Art. 70 BayWG): Für Wärmepumpen unter 50 kW kann ein Privater Sachverständiger Wasserwirtschaft (PSW) das Gutachten erstellen. Die Liste zugelassener PSW führt das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU). Der PSW übernimmt die gesamte technische Prüfung und bescheinigt der Behörde: "Aus wasserwirtschaftlicher Sicht bestehen keine Bedenken." Die Behörde folgt meist dieser Einschätzung, was Verfahrensdauer drastisch verkürzt.
Kosten wasserrechtliche Erlaubnis:
- Amtsgebühr: 100-500 EUR (je nach Gemeinde)
- PSW-Gutachten: 1.500-3.000 EUR
- Gesamtdauer: 2-4 Monate (mit PSW), 6-12 Monate (ohne PSW)
Spezialfall München: Verschärfte Anforderungen
Die Landeshauptstadt München hat aufgrund der intensiven Untergrundnutzung (U-Bahn-Tunnel, Tiefgaragen, zahlreiche Wärmepumpen) zusätzliche Anforderungen. Das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU) verlangt:
- Detaillierten Lageplan M 1:1.000 auf Basis des Amtlichen Liegenschaftskatasters
- Grundwasserflurabstand aus RKU-Datenbasis (kostenpflichtige Auskunft 50-150 EUR, aber sehr präzise)
- Bei Grundstücken in Nähe zu U-Bahn-Trassen: Abstimmung mit SWM Infrastruktur (Prüfung Einfluss auf Abdichtung der Tunnel)
Die Genehmigungsquote in München liegt trotz hoher Anforderungen bei über 85% für Standard-Einfamilienhäuser außerhalb von Wasserschutzgebiet Zone II. Die Stadt hat ein Interesse an effizienten Heizsystemen und unterstützt aktiv.
Praxisbeispiel: Grundwasserwärmepumpe im Münchner Vorort
Ein reales Projekt aus 2023 veranschaulicht die Kostenstruktur und den Zeitablauf. Familie M. in Unterschleißheim (nördlich München) plant Heizungstausch im Einfamilienhaus Baujahr 1985, 180 m² Wohnfläche, bestehende Gasheizung Baujahr 2005.
Phase 1: Voruntersuchung (Februar 2023)
Beauftragung eines PSW für hydrogeologische Ersteinschätzung. Der PSW prüft:
- Grundwasserflurabstand laut RKU-Daten: 4,8 Meter unter Gelände (sehr flach, günstig)
- Entfernung zu Wasserschutzgebiet: 2,1 km (außerhalb Zone III, unkritisch)
- Altlastenkataster: Keine Einträge
- Empfehlung: Probebohrung und Pumpversuch durchführen
Kosten Ersteinschätzung: 500 EUR
Phase 2: Probebohrung und Pumpversuch (April 2023)
Brunnenbauer bohrt Förder-Probebrunnen 8 Meter tief (Filterstrecke 5-8 m in Kiessand). Ausbau mit DN 125 PVC-Rohr, Unterwasserpumpe einbauen. Pumpversuch 12 Stunden mit 1.500 L/h:
- Absenkung Wasserspiegel: 0,8 Meter (exzellent, sehr durchlässiger Aquifer)
- Wasserprobe entnommen → Labor
Laborergebnis (1 Woche später):
- Eisen: 0,12 mg/L (unkritisch)
- Mangan: 0,03 mg/L (unkritisch)
- pH: 7,2 (optimal)
- Sauerstoff: 0,8 mg/L (gut)
- Temperatur: 9,8°C
Bewertung PSW: Idealstandort, keine Verockerungsgefahr, direkter Betrieb möglich.
Kosten Probebohrung: 2.200 EUR (Bohrung 1.200, Pumpversuch 500, Wasseranalyse 250, Pumpe 250)
Phase 3: Genehmigungsverfahren (Mai-Juli 2023)
PSW erstellt Gutachten (35 Seiten) mit:
- Grundwassergleichenkarte (Fließrichtung: Nord-Ost, 1,2 m/Tag)
- Brunnenanordnung: Förderbrunnen Süd-West Ecke Grundstück, Schluckbrunnen 12 Meter in Fließrichtung (Nord-Ost Ecke)
- Betriebsprognose: 1.800 h/a, 2.700 m³ Jahresentnahme, Temperaturspreizung 4,5 K
Antrag beim Landratsamt München eingereicht 15. Mai. Behörde prüft, fordert nach: Nachweis Zustimmung Nachbar (Brunnen 6,2 m von Grenze). Nachbar unterschreibt. Bescheid erteilt: 12. Juli 2023 (8 Wochen Bearbeitungszeit).
Kosten: PSW-Gutachten 2.200 EUR, Amtsgebühr 180 EUR.
Phase 4: Bau der Anlage (August-September 2023)
- Schluckbrunnen gebohrt: 8 Meter tief, 1.500 EUR
- Wärmepumpe: Stiebel Eltron WPE-I 10 H, 14.500 EUR
- Pufferspeicher 500 L: 1.800 EUR
- Installation, Hydraulik, Elektro: 7.200 EUR
- Inbetriebnahme: 800 EUR
Gesamtkosten: 29.380 EUR
Förderantrag KfW 458:
- Grundförderung 30%
- Klimageschwindigkeits-Bonus 20% (alte Gasheizung 18 Jahre)
- Effizienz-Bonus 5% (Grundwasser)
- Gesamt: 55%
Fördersumme: 55% von 29.380 EUR = 16.159 EUR (unter 21.000 EUR Deckel)Eigenanteil: 13.221 EUR
Phase 5: Betrieb (ab Oktober 2023)
Erste Heizsaison Winter 2023/24:
- Heizwärmebedarf: 18.500 kWh (vorher 21.000 kWh durch bessere Regelung)
- Stromverbrauch WP: 3.180 kWh
- JAZ gemessen: 5,82
- Stromkosten WP: 3.180 × 0,25 EUR = 795 EUR
- Pumpenstrom Brunnenpumpe: 280 kWh × 0,25 = 70 EUR
- Gesamtkosten: 865 EUR
Vergleich alte Gasheizung (geschätzt für gleiches Jahr):
- Gasverbrauch: 21.000 kWh / 0,92 = 22.830 kWh
- Gaspreis 2023/24: 0,12 EUR/kWh (Durchschnitt)
- Kosten: 2.740 EUR
- Ersparnis: 1.875 EUR/Jahr
Amortisation Eigenanteil: 13.221 / 1.875 = 7,1 Jahre
Nach 15 Jahren (konservative WP-Lebensdauer):
- Gesamtersparnis: 28.125 EUR
- Abzgl. Eigenanteil: 28.125 - 13.221 = 14.904 EUR Gewinn
Welche Hersteller und Modelle gibt es 2025?
Der Markt für Wasser-Wasser-Wärmepumpen ist kleiner als der Luftwärmepumpen-Markt, aber die Qualität ist durchweg hoch, da nur etablierte Hersteller dieses anspruchsvolle Segment bedienen.
Stiebel Eltron WPE-I Serie: Der Premium-Pionier
Stiebel Eltron gilt als deutscher Marktführer bei Erdreich/Wasser-Wärmepumpen. Die WPE-I Serie (z.B. WPE-I 10 H oder WPE-I 15 H) nutzt das Kältemittel R454C (GWP 146, zukunftssicher unter F-Gase-Verordnung) und erreicht Vorlauftemperaturen bis 75°C – ideal für Altbau-Sanierung mit Heizkörpern.
Besonderheit: Modulierender Verdichter (Inverter-Technologie) passt die Leistung stufenlos an den Bedbedarf an (3-10 kW bei der WPE-I 10). Das vermeidet Takten und erhöht die Lebensdauer. Die SCOP-Werte (Seasonal Coefficient of Performance) liegen bei 5,4-5,8 je nach Systemtemperatur.
Die WPE-I Serie wird als Sole-Wasser-Wärmepumpe vermarktet, ist aber identisch für Grundwasser einsetzbar – technisch gibt es keinen Unterschied, da beide über einen Zwischenkreis arbeiten. Der Unterschied liegt nur in der Wärmequelle (geschlossene Erdsonde vs. offener Brunnenkreis).
Preis: 13.000-16.000 EUR (nur Gerät)
Vaillant flexoTHERM exclusive: Modulare Eleganz
Vaillant positioniert die flexoTHERM exclusive als Premium-Serie mit "Green iQ" Nachhaltigkeits-Label. Das Besondere: modularer Aufbau. Die Basis-Wärmepumpe ist eine Sole-Wasser-Einheit, die mit dem Hydraulikmodul "fluoCOLLECT" zur Wasser-Wasser-Wärmepumpe erweitert wird.
Technische Highlights:
- "Sound Safe System": Besonders leiser Betrieb (unter 35 dB(A) in 3 m Abstand)
- Internet-Gateway integriert für Fernwartung
- Leistungsbereich 5-19 kW, kaskadierbar bis 38 kW
- COP bei A0/W35: 5,1
Die Vaillant-Systeme sind bekannt für ausgezeichnete Verarbeitung und lange Lebensdauer (Garantie 5 Jahre, realistisch 20+ Jahre Betrieb).
Preis: 14.000-18.000 EUR (inkl. fluoCOLLECT Modul)
Viessmann Vitocal 300-G: Die Kraft-Maschine
Für größere Objekte – Mehrfamilienhäuser, Gewerbe – bietet Viessmann die Vitocal 300-G Serie mit Leistungen von 12-43 kW. Die Geräte können im Master-Slave-Betrieb auf bis 86 kW kaskadiert werden.
Technologie: RCD-System (Refrigerant Cycle Diagnostic) überwacht permanent den Kältekreis auf Abweichungen und alarmiert bei drohenden Problemen (z.B. Kältemittelleckage, Verdichter-Verschleiß), bevor Totalausfall eintritt. Das elektronische Expansionsventil (EEV) regelt die Kältemittelmenge präzise und erhöht die Effizienz um 8-12% gegenüber thermostatischen Ventilen.
JAZ typisch: 5,2-5,6 (bei Wasser 10°C / Vorlauf 35°C)
Preis: 16.000-24.000 EUR (je nach Leistung)
Buderus Logatherm WSW196i: Design trifft Technik
Buderus (Bosch-Gruppe) fokussiert auf Designintegration. Die Logatherm WSW196i Serie hat Glasfront-Optik und schmale Tower-Bauweise (passt durch Standardtüren). Inverter-Verdichter, App-Steuerung (MyBuderus), integrierter 300 L Warmwasserspeicher (Tower-Variante) – ein "All-in-One" System.
Besonders für Neubauten interessant, wo die Wärmepumpe im Wohnbereich steht (Hauswirtschaftsraum, offene Küche).
JAZ: 5,0-5,4
Preis: 14.000-19.000 EUR (inkl. WW-Speicher Tower)
Häufige Fragen
Kann ich eine Grundwasserwärmepumpe auch zum Kühlen nutzen?
Ja, sogar besonders effizient. Die passive Kühlung (auch "Natural Cooling") nutzt das 8-10°C kalte Grundwasser direkt über einen Wärmetauscher zur Gebäudekühlung, ohne dass die Wärmepumpe läuft. Nur die Brunnenpumpe und die Heizungsumwälzpumpe laufen (zusammen 100-200 Watt). Kühlleistung: 2-4 kW pro 10 kW Heizleistung der WP. Kosten Sommer: 50-150 EUR für 3 Monate. Die Vorlauftemperatur wird auf 16-18°C begrenzt (sonst Kondensatgefahr an Rohren).
Was passiert wenn die Brunnen verockern?
Erste Anzeichen: Absinkende Schluckfähigkeit (Rücklaufdruck steigt), Durchfluss sinkt, Störmeldungen der WP. Maßnahme: Chemische Regenerierung mit Salzsäure (1.500-2.500 EUR) oder mechanisches Freispülen (1.000-1.800 EUR). Bei korrekter Wasserchemie (Fe <0,2, Mn <0,05) tritt Verockerung erst nach 10-20 Jahren auf. Bei kritischer Chemie alle 3-5 Jahre.
Wie tief muss gebohrt werden?
Abhängig vom Grundwasserspiegel am Standort. Süddeutschland (Alpenvorland): 5-15 Meter. Norddeutschland: 10-25 Meter. Mittelgebirge: 15-40 Meter. Der Brunnen muss 3-5 Meter in den wasserführenden Horizont (Grundwasserleiter) reichen, damit die Filterstrecke ausreichend Fläche hat.
Brauche ich zwei separate Wärmepumpen oder reicht eine?
Eine Wärmepumpe reicht. Die zwei Brunnen (Förder- und Schluckbrunnen) sind nur für die Wasserzirkulation. Eine einzige Wasser-Wasser-Wärmepumpe nutzt beide. Es gibt kein "Förder-Wärmepumpen-Paar" – das ist ein Missverständnis.
Lohnt sich Grundwasser bei 30 Meter Tiefe noch?
Kritisch. Bei 30 Metern Tiefe entstehen Bohrkosten von 2 × 30 m × 130 EUR = 7.800 EUR nur für Bohrung, dazu Material 2.000 EUR, Pumpen 1.500 EUR = 11.300 EUR Erschließung. Das ist grenzwertig. Zudem verbraucht die Brunnenpumpe bei 30 Meter Förderhöhe 350-500 Watt (statt 150-250 Watt bei 10 Meter), was 700-1.000 kWh/Jahr = 175-250 EUR Pumpstromkosten bedeutet. Die JAZ sinkt effektiv um 0,5-0,8 Punkte. Ab 35-40 Meter wird Erdwärme-Sonde wirtschaftlicher.
Kann ich die Anlage selbst bauen?
Nein, gesetzlich verboten. Die Brunnenbohrung darf nur durch zertifizierte Brunnenbaufirmen erfolgen (Eintrag im Fachbetriebsregister). Die Wärmepumpe selbst muss von einem Kälte-Klimatechniker mit Kältemittel-Zertifikat installiert werden (F-Gase-Verordnung). DIY-Versuche führen zu Verlust der Garantie, Versicherungsschutz und Förderung.
Zusammenfassung und Empfehlung
Die Grundwasserwärmepumpe ist das effizienteste Heizsystem der Welt mit Jahresarbeitszahlen 5,0-6,5, aber kein "Plug-and-Play"-Produkt. Die Eignung hängt zu 80% vom Grundstück ab, zu 20% von der Technik.
Wählen Sie Grundwasser wenn:
- ✅ Grundwasser nachweislich verfügbar (>800 L/h Dauerleistung)
- ✅ Wasserchemie unkritisch (Fe <0,2, Mn <0,05, O₂ <2 mg/L)
- ✅ Genehmigung möglich (kein WSG Zone II, keine Altlast)
- ✅ Budget 15.000-30.000 EUR Eigenanteil verfügbar
- ✅ Langfrist-Perspektive >15 Jahre (Amortisation)
Wählen Sie Alternative (Erdwärme/Luft) wenn:
- ❌ Grundwasser tiefer 25 Meter (Pumpstrom frisst Effizienz)
- ❌ Wasserchemie kritisch (Fe >0,5, Mn >0,1) ohne Bereitschaft zu Zwischenwärmetauscher
- ❌ Genehmigung unsicher (WSG Zone III, Altlast-Verdacht)
- ❌ Kurzfrist-Perspektive <10 Jahre (keine Amortisation)
Die Entscheidung fällt nicht am Gerät, sondern am Gutachten. Investieren Sie 1.500-2.500 EUR in einen PSW mit Probebohrung und Wasseranalyse vor der Hauptentscheidung. Diese Kosten sind auch bei Nicht-Realisierung gut angelegt, da sie Klarheit schaffen.
Mit 70% BEG-Förderung ist die Grundwasserwärmepumpe 2025 finanziell attraktiv wie nie. Bei korrekter Standort-Wahl erreichen Sie Heizkosten von 4-5 ct/kWh Wärme (statt 8-10 ct bei Luft-Wasser oder 11-13 ct bei Gas) – und das über 20+ Jahre stabil.
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