
Vorlauftemperatur einstellen: Wie finde ich die optimale Vorlauftemperatur?
Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Effizienz-Hebel bei Wärmepumpen. Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur steigert die Effizienz um 2,5 Prozent. Die meisten Heizungen laufen mit 10 bis 20 Grad zu hoher Vorlauftemperatur. Ein systematischer Test bei kaltem Wetter findet die optimale Einstellung. Die Durchführung dauert 1 bis 2 Wochen mit täglichen Messungen.

Der Test funktioniert durch schrittweise Absenkung der Vorlauftemperatur. Sie starten bei der aktuellen Einstellung und senken alle 24 Stunden um 2 bis 5 Grad. Alle Heizkörperthermostate müssen während des Tests auf Maximum stehen. Sobald ein Raum seine Wohlfühltemperatur nicht mehr erreicht, ist der kritische Punkt gefunden. Die optimale Vorlauftemperatur liegt 1 Grad über diesem kritischen Wert.
Die Einsparung ist erheblich bei konsequenter Umsetzung. Eine Absenkung von 65 auf 55 Grad spart bei einem Einfamilienhaus etwa 350 Euro pro Jahr. Über 20 Jahre sind das 7.000 Euro Ersparnis. Die Investition für den Test beträgt null Euro. Der einzige Aufwand ist Geduld über 1 bis 2 Wochen.
Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend für aussagekräftige Ergebnisse. Der Test funktioniert nur bei Außentemperaturen unter 5 Grad. In der Übergangszeit bei 15 Grad außen ist das Ergebnis nicht übertragbar. Die beste Zeit ist Januar oder Februar bei stabiler Kältephase. Nach dem Test ist keine weitere Anpassung nötig.
Warum ist die Vorlauftemperatur so wichtig?
Der physikalische Zusammenhang
Die Vorlauftemperatur bestimmt direkt den Wirkungsgrad der Wärmepumpe durch thermodynamische Gesetze.
Das Carnot-Prinzip vereinfacht:
- Wärmepumpen transportieren Energie von kalt nach warm
- Je größer der Temperaturunterschied, desto mehr Arbeit ist nötig
- Außenluft 0 Grad zu Vorlauf 35 Grad = 35 Kelvin Differenz
- Außenluft 0 Grad zu Vorlauf 65 Grad = 65 Kelvin Differenz
- Fast doppelte Differenz = fast doppelter Stromverbrauch
- Kleine Änderungen haben große Wirkung
Die Faustregel: 2,5 Prozent pro Grad
- 1 Grad niedrigere Vorlauftemperatur = 2,5 Prozent weniger Stromverbrauch
- 5 Grad niedriger = 12,5 Prozent Ersparnis
- 10 Grad niedriger = 25 Prozent Ersparnis
- 20 Grad niedriger = 50 Prozent Ersparnis
- Diese Regel gilt im Bereich 35 bis 65 Grad Vorlauf
Konkrete COP-Werte nach Vorlauftemperatur:
- Bei 35 Grad Vorlauf: COP 5,2 (aus 1 kWh Strom werden 5,2 kWh Wärme)
- Bei 45 Grad Vorlauf: COP 4,1 (aus 1 kWh Strom werden 4,1 kWh Wärme)
- Bei 55 Grad Vorlauf: COP 3,2 (aus 1 kWh Strom werden 3,2 kWh Wärme)
- Bei 65 Grad Vorlauf: COP 2,5 (aus 1 kWh Strom werden 2,5 kWh Wärme)
- Von 35 auf 65 Grad: Mehr als doppelter Stromverbrauch
Warum laufen die meisten Heizungen zu hoch?
Konservative Werkseinstellungen:
- Hersteller wollen keine Reklamationen wegen kalter Räume
- Einstellung funktioniert garantiert auch bei schlechter Dämmung
- Lieber 10 Grad zu hoch als Kundenbeschwerde
- Effizienz ist bei Auslieferung zweitrangig
- Folge: 10 bis 30 Prozent zu hoch im Durchschnitt
Zeitdruck bei Installation:
- Heizungsbauer hat keine Zeit für mehrtägige Optimierung
- Mentalität: Lieber zu hoch als zu niedrig
- Kunde merkt Ineffizienz nicht sofort
- Rechnung kommt erst Monate später
- Zusammenhang wird nicht erkannt
Fehlende Anpassung nach Sanierung:
- Neue Fenster eingebaut = deutlich weniger Heizlast
- Fassade gedämmt = Vorlauftemperatur kann sinken
- Dach isoliert = Wärmebedarf gesunken
- Aber Vorlauftemperatur bleibt auf altem Wert
- Riesiges Einsparpotenzial bleibt ungenutzt
Keine Unterscheidung nach Jahreszeit:
- Im tiefsten Winter bei minus 10 Grad braucht es höhere Vorlauf
- In der Übergangszeit bei plus 10 Grad viel niedrigere Vorlauf
- Feste Einstellung ist Kompromiss für alle Wetterlagen
- Heizkurve würde automatisch anpassen
- Oft aber falsch parametriert oder nicht genutzt
Das Einsparpotenzial in Euro
Beispielrechnung Einfamilienhaus:
- Wärmebedarf: 20.000 kWh pro Jahr
- Ausgangssituation: Vorlauf 65 Grad, COP 3,0
- Stromverbrauch: 20.000 ÷ 3,0 = 6.667 kWh
- Stromkosten bei 0,35 €/kWh: 2.333 Euro pro Jahr
- Nach Optimierung: Vorlauf 55 Grad, COP 3,5
- Stromverbrauch: 20.000 ÷ 3,5 = 5.714 kWh
- Stromkosten: 2.000 Euro pro Jahr
- Jährliche Ersparnis: 333 Euro
- Ersparnis über 20 Jahre: 6.660 Euro
Einsparung nach Vorlauf-Senkung:
Wie bereite ich den Test vor?
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Der Test liefert nur bei bestimmten Bedingungen aussagekräftige Ergebnisse.
Außentemperatur unter 5 Grad zwingend:
- Nur bei Kälte läuft die Heizung wirklich auf voller Leistung
- Bei 15 Grad außen heizt die Sonne mit und verfälscht das Ergebnis
- Der gefundene Wert muss auch für kälteste Tage reichen
- Optimale Testphase: Dezember bis Februar
- Alternativ: November oder März bei Kälteeinbruch
Stabile Wetterlage wichtig:
- Mindestens 3 bis 4 Tage mit ähnlichen Temperaturen
- Keine großen Schwankungen zwischen den Messtagen
- Möglichst wenig Sonneneinstrahlung (bewölkt ideal)
- Kein Föhn oder andere Extremwetterlagen
- Stabiles Hochdruckwetter im Winter perfekt
Normale Wohnnutzung während Test:
- Bewohnen Sie das Haus wie gewohnt
- Nicht während Urlaub oder längerer Abwesenheit testen
- Keine Partys oder viele Gäste (zu viel Abwärme)
- Keine Handwerker mit offenen Türen
- Alltägliche Nutzung gibt realistisches Ergebnis
Zeitaufwand einplanen:
- Mindestens 5 bis 7 Tage für den gesamten Test
- Besser 10 bis 14 Tage für vorsichtige Absenkung
- Täglich 5 Minuten für Temperatur-Ablesen
- Einmal alle 24 Stunden Vorlauf anpassen
- Am Ende einmal endgültig einstellen
Referenzraum und Messausstattung
Referenzraum auswählen:
- Wichtigster Aufenthaltsraum (meist Wohnzimmer)
- Raum in dem Sie viel Zeit verbringen
- Dort wo Sie eine klare Wohlfühltemperatur haben (z.B. 20 Grad)
- Nicht Bad (Sonderfall mit höherer Temperatur)
- Nicht Schlafzimmer (meist kühler gewünscht)
Weitere Räume beobachten:
- Alle wichtigen Wohnräume einbeziehen
- Kinderzimmer (oft etwas wärmer gewünscht)
- Küche (hat oft Abwärme vom Kochen)
- Bad (deutlich wärmer gewünscht, aber Sonderfall)
- Nordseite-Zimmer (oft kritisch)
Thermometer vorbereiten:
- Digitales Thermometer mit 0,1 Grad Genauigkeit ideal
- In jedem wichtigen Raum eins platzieren
- Nicht direkt am Heizkörper messen
- Nicht an Außenwand (Kältebrücke verfälscht)
- Mittig im Raum auf 1,5 Meter Höhe
- Mehrere Stunden vorher platzieren zum Akklimatisieren
Dokumentations-Tabelle anlegen:
- Datum, Uhrzeit, Außentemperatur notieren
- Vorlauf-Einstellung festhalten
- Alle Raumtemperaturen eintragen
- Bemerkungen notieren
- Foto von Heizungs-Display machen
Heizkörperthermostate auf Maximum
Warum alle Thermostate auf Maximum:
- Thermostat-Ventile dürfen während des Tests nicht drosseln
- Nur so wirkt sich Vorlauf-Änderung voll aus
- Sonst regelt Thermostat gegen und Test funktioniert nicht
- Alle Heizkörper müssen gleich warm werden können
- Nur dann sehen Sie echte Vorlauf-Wirkung
Praktische Durchführung:
- In ALLEN Räumen Thermostate auf Stufe 5 oder MAX drehen
- Auch in ungenutzten Räumen
- Auch im Keller falls Heizkörper vorhanden
- Kontrollieren Sie wirklich jeden Raum
- Machen Sie Fotos zur Erinnerung
Ausnahmen:
- Bad kann auf Maximum bleiben (wird meist ohnehin warm gewünscht)
- Gästezimmer das nie genutzt wird kann ausbleiben
- Aber: Je mehr Räume einbezogen, desto genauer
- Lieber zu viele als zu wenige
- Nach Test auf normale Stufe zurückdrehen
Aktuelle Vorlauftemperatur dokumentieren:
- Am Heizungs-Display ablesen
- Oder in App nachschauen (z.B. Viessmann ViCare, Vaillant multiMATIC)
- Vorlauf-Temperatur suchen (nicht Rücklauf, nicht Warmwasser)
- Foto machen von Display
- Wert notieren als Ausgangspunkt
Wie führe ich die schrittweise Absenkung durch?
Schritt 1: Startpunkt festlegen
Ausgangswert einstellen:
- Falls Ihre Heizung eine Heizkurve hat: Aktuelles Niveau beibehalten
- Falls feste Vorlauftemperatur: Aktuellen Wert übernehmen
- Typischer Startwert Heizkörper: 60 bis 70 Grad
- Typischer Startwert Fußboden: 40 bis 50 Grad
- Diesen Wert als Startpunkt nehmen
24 Stunden stabilisieren lassen:
- Gesamtes Haus braucht Zeit um sich einzupendeln
- Wände speichern Wärme über viele Stunden
- Fußbodenheizung besonders träge (bis 48 Stunden)
- Erst nach 24 Stunden ist Gleichgewicht erreicht
- Diese Wartezeit ist bei jedem Schritt zwingend
Raumtemperaturen messen:
- Nach 24 Stunden alle Räume messen
- Referenzraum: Ist Wohlfühltemperatur erreicht?
- Weitere Räume: Temperaturen notieren
- In Tabelle eintragen mit Datum und Uhrzeit
- Dies ist Ihr Ausgangspunkt
Beispiel Dokumentation Start:
Schritt 2: Erste Absenkung um 5 Grad
Vorlauftemperatur um 5 Grad senken:
- Von 65 Grad auf 60 Grad
- Von 60 Grad auf 55 Grad
- Von 55 Grad auf 50 Grad
- Erste Absenkung größer für schnelleren Fortschritt
- Später feiner in 2-Grad-Schritten
Wo einstellen:
- Bei Heizkurve: Niveau (Parallelverschiebung) um 5 Grad senken
- Bei fester Vorlauf: Maximale Vorlauftemperatur um 5 Grad reduzieren
- Einstellung speichern
- Display zeigt neue Soll-Temperatur
- Notieren Sie neue Einstellung
Wieder 24 Stunden warten:
- Nicht früher messen, verfälscht Ergebnis
- Haus braucht Zeit zum Reagieren
- Bei Fußbodenheizung eventuell 36 Stunden warten
- Geduld ist wichtigste Voraussetzung für genaues Ergebnis
- In dieser Zeit normal wohnen, nicht übermäßig lüften
Beispiel nach erster Absenkung:
Schritt 3: Temperaturen prüfen und weiter absenken
Alle Räume kontrollieren:
- Referenzraum: Wohlfühltemperatur noch erreicht?
- Weitere Räume: Alle noch ausreichend warm?
- Kritische Räume identifizieren (Nordseite, große Fenster)
- Temperaturen in Tabelle eintragen
- Vergleich mit vorherigem Wert
Entscheidung treffen:
- Falls ALLE Räume noch warm genug → Weiter zu nächster Absenkung
- Falls EIN Raum zu kalt → Kritischer Punkt erreicht, weiter zu Schritt 4
- "Zu kalt" heißt: Wohlfühltemperatur nicht mehr erreicht
- Im Wohnzimmer zum Beispiel unter 20 Grad wenn 20 Grad gewünscht
- Lieber vorsichtig, 0,5 Grad zu wenig zählt schon
Nächste Absenkung um 2 Grad:
- Jetzt kleinere Schritte für Feintuning
- Von 60 Grad auf 58 Grad
- Von 58 Grad auf 56 Grad
- Von 56 Grad auf 54 Grad
- Wieder 24 Stunden warten
Prozess wiederholen bis kritischer Punkt:
- Meist 3 bis 6 Durchgänge erforderlich
- Bei Fußboden oft bis 33 bis 38 Grad möglich
- Bei Heizkörpern oft bis 48 bis 58 Grad möglich
- Hängt stark vom Gebäude ab
- Geduld zahlt sich aus
Beispiel kritischer Punkt gefunden:
→ Bei 56 Grad Vorlauf ist Kinderzimmer mit 19,8 Grad zu kalt (Soll: 21 Grad)
Schritt 4: Optimale Vorlauftemperatur einstellen
Kritischer Wert plus 1 Grad:
- Im Beispiel: Kritisch bei 56 Grad
- Optimal ist 57 Grad (1 Grad höher)
- Sicherheitspuffer für noch kältere Tage
- Sicherheitspuffer für Wetterschwankungen
- Immer noch deutlich unter Ausgangswert (65 Grad)
Endgültige Einstellung:
- Vorlauf auf optimalen Wert einstellen (57 Grad im Beispiel)
- Bei Heizkurve: Niveau entsprechend anpassen
- Einstellung speichern
- Als neue Standard-Einstellung übernehmen
- Dokumentation aufbewahren
Thermostate zurückstellen:
- Jetzt alle Thermostate wieder auf normale Stufen
- Wohnzimmer: Stufe 3 (etwa 20 Grad)
- Schlafzimmer: Stufe 2 (etwa 18 Grad)
- Bad: Stufe 4 oder 5 (etwa 23 Grad)
- Kinderzimmer: Stufe 3 bis 4 (etwa 21 Grad)
- Normaler Betrieb mit optimierter Vorlauf
Einsparung berechnen:
- Ausgang: 65 Grad Vorlauf
- Optimiert: 57 Grad Vorlauf
- Differenz: 8 Grad
- Effizienz-Gewinn: 8 × 2,5% = 20%
- Bei 2.300 Euro Heizkosten vorher: Jetzt 1.840 Euro
- Ersparnis: 460 Euro pro Jahr
Was mache ich wenn ein Raum zu kalt bleibt?
Ursachen identifizieren
Heizkörper zu klein:
- Wurde für 70 Grad Vorlauf ausgelegt früher
- Bei nur 55 Grad reicht Leistung nicht mehr
- Leistung sinkt überproportional mit Vorlauf
- Mathematisch: Leistung proportional zur Temperaturdifferenz hoch 1,3
- Lösung: Größeren Heizkörper installieren
Schlechte Dämmung:
- Wärmeverluste höher als in anderen Räumen
- Alte Fenster mit hohem U-Wert
- Ungedämmte Außenwand besonders Nordseite
- Kellerdecke darunter nicht isoliert
- Hohe Decken über 2,8 Meter
- Lösung: Dämmung verbessern
Hydraulisch nicht abgeglichen:
- Durchfluss in diesem Raum zu gering
- Andere Heizkörper bekommen zu viel Wasser
- Thermostatventil falsch voreingestellt
- Rücklaufverschraubung nicht optimiert
- Lösung: Hydraulischen Abgleich nachholen
Ungünstige Lage:
- Nordseite ohne Sonneneinstrahlung
- Eckzimmer mit zwei Außenwänden
- Über unbeheiztem Raum (Garage, Keller)
- Unter ungedämmtem Dach
- Neben kaltem Treppenhaus
Lösungen ohne Vorlauf erhöhen
Größeren Heizkörper einbauen:
- Doppelte Breite installieren
- Oder höherer Typ mit mehr Konvektionsblechen
- Typ 11 durch Typ 22 ersetzen verdoppelt Leistung etwa
- Investition: 200 bis 800 Euro pro Heizkörper
- Amortisation: 3 bis 8 Jahre durch Effizienz-Gewinn
Dämmung nachrüsten:
- Fenster erneuern (größte Wirkung meist)
- Außenwand von innen oder außen dämmen
- Kellerdecke von unten isolieren (oft einfach und günstig)
- Rollladenkästen dämmen
- Heizkörpernischen isolieren
Hydraulischen Abgleich:
- Fachbetrieb beauftragen
- Durchflussmengen optimieren für alle Heizkörper
- Voreinstellungen an Ventilen richtig setzen
- Kosten: 400 bis 900 Euro
- Oft 5 bis 15 Prozent Verbesserung
Kompromiss-Lösungen
Raum-Thermostat höher:
- Kritischen Raum dauerhaft auf Stufe 5
- Heizkörper läuft dann auf Maximum
- Andere Räume normal auf Stufe 2 bis 3
- Nicht ideal aber funktioniert
- Raum wird dann manchmal etwas zu warm
Elektro-Zusatzheizung:
- Kleine Elektroheizung für sehr kalte Tage
- Nur einschalten bei unter minus 5 Grad außen
- 5 bis 15 Tage pro Winter erforderlich
- Kostet 20 bis 60 Euro Strom pro Winter
- Günstiger als dauerhaft 5 Grad höhere Vorlauf
Raumnutzung anpassen:
- Kritischen Raum weniger nutzen im Winter
- Als Gästezimmer oder Abstellraum
- 17 bis 18 Grad statt 21 Grad akzeptabel
- Tür zu geheizten Räumen geschlossen
- Vermeidet Vorlauf-Erhöhung komplett
Wie stelle ich die Heizkurve richtig ein?
Heizkurve versus feste Vorlauf
Was ist eine Heizkurve:
- Regelt Vorlauftemperatur automatisch nach Außentemperatur
- Je kälter draußen, desto höher Vorlauf
- Mathematische Formel: Vorlauf = Niveau + Steigung × (Raum-Soll - Außen-Ist)
- Zwei Parameter: Niveau (Höhe) und Steigung (Steilheit)
- Standard bei modernen Heizungen
Vorteile Heizkurve:
- Passt sich automatisch dem Wetter an
- Im Winter höhere Vorlauf, in Übergangszeit niedrigere
- Keine manuelle Nachstellung nötig
- Spart gegenüber fester Vorlauf nochmals 5 bis 10 Prozent
- Komfort konstant über alle Jahreszeiten
Nachteile feste Vorlauf:
- Im tiefsten Winter eventuell zu niedrig
- In Übergangszeit viel zu hoch (Verschwendung)
- Manuelles Nachstellen bei jedem Wetterwechsel
- Nur bei sehr einfachen Steuerungen üblich
- Nicht mehr zeitgemäß
Heizkurve optimieren
Niveau anpassen (das haben Sie gerade gemacht):
- Niveau verschiebt gesamte Kurve nach oben oder unten
- Zu hoch: Verschwendung bei allen Temperaturen
- Zu niedrig: Räume nie richtig warm
- Mit Test-Verfahren optimieren wie beschrieben
- Typische Werte nach Optimierung: 12 bis 20
Steigung einstellen (meist nicht nötig):
- Steigung bestimmt Reaktion auf Kälte
- Zu steil: Überreaktion, wird zu heiß
- Zu flach: Zu wenig Reaktion, wird nicht warm genug
- Faustregel Fußboden: 0,3 bis 0,5
- Faustregel Heizkörper: 1,0 bis 1,4
- Meist Werkseinstellung okay nach Niveau-Optimierung
Beispiel Heizkurve:
Wann Steigung ändern
Steigung erhöhen wenn:
- Im Winter (minus 5 Grad) wird es nicht warm genug
- Aber in Übergangszeit (plus 10 Grad) ist es zu warm
- Dann: Steigung um 0,1 bis 0,2 erhöhen
- Niveau eventuell leicht senken zur Kompensation
- Mehrere Tage testen
Steigung senken wenn:
- Im Winter wird es zu heiß
- Aber in Übergangszeit gerade richtig
- Dann: Steigung um 0,1 bis 0,2 senken
- Niveau eventuell leicht erhöhen
- Mehrere Tage testen
In den meisten Fällen:
- Steigung unverändert lassen
- Nur Niveau optimieren mit Test-Verfahren
- Das reicht für 90 Prozent der Fälle
- Steigung nur bei speziellen Problemen ändern
Wie oft muss ich die Vorlauftemperatur anpassen?
Nach dem Test: Meist nichts mehr tun
Bei korrekter Heizkurve:
- Nach Optimierung keine weitere Anpassung nötig
- System regelt automatisch nach Außentemperatur
- Nur bei größeren Änderungen am Gebäude neu testen
- Ansonsten: Einmal einstellen, dann vergessen
Wann erneut testen:
- Nach Fenstertausch (5 bis 10 Grad niedrigere Vorlauf möglich)
- Nach Fassadendämmung (5 bis 15 Grad niedriger möglich)
- Nach Dachdämmung (3 bis 8 Grad niedriger)
- Nach Kellerdecken-Dämmung (2 bis 5 Grad niedriger)
- Nach Heizkörper-Austausch oder -Vergrößerung
Langfristige Kontrolle:
- Einmal jährlich im Januar/Februar Raumtemperaturen prüfen
- Falls alles noch passt: Nichts ändern
- Falls Abweichungen: Niveau um 1 bis 2 Grad anpassen
- Größere Änderungen: Test wiederholen
- Meist aber jahrelang stabil
Saisonale Anpassung
Bei fester Vorlauftemperatur:
- Zwei Einstellungen erforderlich
- Winter (Dezember bis Februar): Höhere Vorlauf zum Beispiel 57 Grad
- Übergangszeit (März bis Mai, September bis November): Niedrigere Vorlauf zum Beispiel 45 Grad
- Manuell umstellen bei Wetterumschwung
- Deutlich mehr Aufwand
Bei Heizkurve:
- Keine manuelle Anpassung nötig
- System regelt automatisch
- Deshalb: Heizkurve immer besser als feste Vorlauf
- Falls Ihre Heizung Heizkurve kann: Unbedingt nutzen
- In Bedienungsanleitung nachschauen
Zusammenfassung: In 4 Schritten zur optimalen Vorlauftemperatur
Die Vorlauftemperatur ist der wichtigste Effizienz-Hebel bei Wärmepumpen. Ein systematischer Test findet die optimale Einstellung in 1 bis 2 Wochen.
Schritt 1: Vorbereitung
- Test bei Außentemperatur unter 5 Grad durchführen
- Referenzraum wählen mit klarer Wohlfühltemperatur
- Alle Heizkörperthermostate auf Maximum drehen
- Aktuelle Vorlauftemperatur dokumentieren
Schritt 2: Absenkung
- Erste Absenkung um 5 Grad
- Weitere Absenkungen um 2 Grad
- Jeweils 24 Stunden warten zwischen Schritten
- Raumtemperaturen messen und dokumentieren
Schritt 3: Kritischen Punkt finden
- Weiter absenken bis ein Raum zu kalt wird
- Vorlauftemperatur und Raum notieren
- Das ist der kritische Wert
Schritt 4: Optimum einstellen
- Vorlauf auf kritischen Wert plus 1 Grad
- Endgültig einstellen
- Thermostate auf normale Stufen zurück
- Fertig
Das Ergebnis:
- Typische Einsparung 300 bis 900 Euro pro Jahr
- Über 20 Jahre 6.000 bis 18.000 Euro
- Investition: Null Euro
- Aufwand: 1 bis 2 Wochen Geduld
Die optimale Vorlauftemperatur ist individuell für jedes Gebäude. Der Test findet Ihr persönliches Optimum zuverlässig.
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