Max Nestler
March 13, 2026
Lesezeit
10
Minuten
Wärmepumpe
Wirtschaftlichkeit & Kosten

Stromkosten Wärmepumpe: Formel, Beispiele, Spartipps

Die Stromkosten einer Wärmepumpe hängen von zwei Werten ab: Wärmebedarf und Jahresarbeitszahl (JAZ). Ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Wärmebedarf zahlt bei JAZ 3,4 und Wärmepumpentarif rund 1.294 Euro Strom pro Jahr. Dieser Artikel zeigt die Berechnungsformel, drei Beispielrechnungen und wirksame Wege zur Kostensenkung.

Inhaltsverzeichnis
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Das Wichtigste in Kürze

  • Formel: Jahresstromverbrauch (kWh) = Wärmebedarf ÷ Jahresarbeitszahl (JAZ)
  • Luft/Wasser-Wärmepumpen: JAZ 3,4 im Bestand (Fraunhofer ISE, 2025)
  • Beispiel: 20.000 kWh Wärmebedarf → 1.294 €/Jahr bei JAZ 3,4 und Wärmepumpentarif
  • Haushaltsstrom 2026: 37,0 ct/kWh; Wärmepumpentarif: 20-25 ct/kWh (BDEW, April 2026)
  • § 14a EnWG seit 1.1.2024: Mindestleistung 4,2 kW, Netzentgelt-Rabatt 110-190 €/Jahr

Was kostet eine Wärmepumpe im laufenden Betrieb?

Eine Wärmepumpe kostet im Betrieb zwischen 700 und 2.200 Euro Strom pro Jahr. Der genaue Betrag hängt von drei Faktoren ab: Wärmebedarf des Hauses, Jahresarbeitszahl der Anlage und Strompreis. Eine Wärmepumpe ist ein Heizsystem, das Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser nutzt und mit Strom auf Heiztemperatur bringt. Ein Haus mit hohem Wärmebedarf und niedriger JAZ zahlt mehr als ein saniertes Haus mit hoher JAZ. Wärmepumpentarife senken die Kosten zusätzlich, weil sie meist günstiger sind als normaler Haushaltsstrom.

Wie berechnen Sie die Stromkosten einer Wärmepumpe?

Die Formel lautet: Jahresstromverbrauch (kWh) = Wärmebedarf (kWh) ÷ Jahresarbeitszahl. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über ein volles Jahr. Ein Beispiel: Ein Haus mit 20.000 kWh Wärmebedarf und JAZ 3,4 verbraucht 5.880 kWh Strom pro Jahr. Die Stromkosten ergeben sich danach aus einer zweiten Formel: Stromkosten (€) = Jahresstromverbrauch (kWh) × Strompreis (Cent/kWh) ÷ 100. Bei einem Wärmepumpentarif von 22 Cent pro Kilowattstunde entstehen daraus rund 1.294 Euro Stromkosten pro Jahr.

Welche Jahresarbeitszahl erreichen die einzelnen Wärmepumpen-Typen?

Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichen im Gebäudebestand eine durchschnittliche JAZ von 3,4, Sole/Wasser-Wärmepumpen 4,3. Diese Werte stammen aus dem Fraunhofer-ISE-Feldtest „Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand" (WP-QS im Bestand). Er hat 77 Anlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern über vier Jahre vermessen. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) fasst ein zentrales Ergebnis so zusammen: „Eine Korrelation zwischen Baujahr der Gebäude und Effizienz der Anlagen ließ sich nicht feststellen." Wärmepumpen arbeiten demnach auch in unsanierten Altbauten zuverlässig. Der Wirkungsgrad einer Wärmepumpe beschreibt dagegen die Momentanleistung als COP-Wert, die JAZ bildet den Jahresmittelwert ab.

Wärmepumpen-TypJAZ MittelwertJAZ-BandbreiteQuelle
Luft/Wasser3,42,4 – 4,0Fraunhofer ISE, WP-QS im Bestand
Sole/Wasser (Erdwärme)4,33,6 – 5,4Fraunhofer ISE, WP-QS im Bestand
Wasser/Wasser (Grundwasser)4,5 – 5,0Fachliteratur, Herstellerangaben

Mehr zur Jahresarbeitszahl Ihrer Wärmepumpe und ihrer Berechnung lesen Sie im vertiefenden Beitrag.

Was kostet eine Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Wärmebedarf?

Bei 20.000 kWh Wärmebedarf liegen die Stromkosten je nach Wärmepumpen-Typ zwischen 926 und 2.176 Euro pro Jahr. Die folgende Tabelle rechnet drei Anlagentypen durch. Grundlage sind ein Wärmepumpentarif von 22 Cent pro Kilowattstunde und der BDEW-Haushaltsstrompreis von 37,0 Cent pro Kilowattstunde (BDEW-Strompreisanalyse, April 2026).

Wärmepumpen-TypJAZStromverbrauch/JahrKosten mit WP-TarifKosten mit Haushaltsstrom
Luft/Wasser3,45.880 kWh1.294 €2.176 €
Sole/Wasser4,34.650 kWh1.023 €1.721 €
Wasser/Wasser4,754.210 kWh926 €1.558 €

Die Tabelle zeigt: Der Wärmepumpen-Typ und der Stromtarif verändern die Jahreskosten um mehr als das Doppelte.

Wärmepumpentarif oder Haushaltsstrom: Welcher Tarif ist günstiger?

Ein Wärmepumpentarif kostet meist 20 bis 25 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich weniger als normaler Haushaltsstrom. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt 2026 laut BDEW bei 37,0 Cent pro Kilowattstunde: „Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte ist 2026 im Vergleich zum Vorjahr gesunken und beträgt bisher durchschnittlich 37,0 Cent pro Kilowattstunde" (BDEW-Strompreisanalyse, April 2026). Wärmepumpentarife sparen vor allem bei den Netzentgelten, weil sie von der Netzentgelt-Reduzierung nach § 14a EnWG profitieren. Zusätzlich entfallen einzelne Umlagen wie die KWKG-Umlage. Ein separater Zähler für den Wärmepumpentarif lohnt sich meist ab einem Jahresverbrauch von etwa 3.000 kWh.

Wie wirkt sich § 14a EnWG auf Ihre Stromkosten aus?

Seit dem 1. Januar 2024 gilt § 14a EnWG für steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen. Die Regel betrifft Anlagen mit einer Netzanschlussleistung über 4,2 Kilowatt. Netzbetreiber dürfen den Strombezug dieser Anlagen bei drohender Überlastung zeitweise dimmen. Jede Wärmepumpe behält dabei eine garantierte Mindestleistung von 4,2 Kilowatt (Bundesnetzagentur). Im Gegenzug sinkt das Netzentgelt über eines von drei Modulen. Modul 1 reduziert die Netzentgelte pauschal um 110 bis 190 Euro pro Jahr. Modul 2 senkt den Arbeitspreis der Netzentgelte auf 40 Prozent des Normalwerts, verlangt aber einen separaten Zähler. Modul 3 ergänzt seit April 2025 ein zeitvariables Netzentgelt, kombinierbar nur mit Modul 1. Bestandsanlagen aus der Zeit vor dem 1. Januar 2024 nutzen ihre bisherigen Konditionen bis zum 31. Dezember 2028 weiter.

Ist eine Wärmepumpe wirklich immer teurer im Betrieb als eine Gasheizung?

Nein, das stimmt so pauschal nicht. Bei realistischer JAZ und Wärmepumpentarif kostet eine Wärmepumpe deutlich weniger Strom als eine vergleichbare Gasheizung. Die folgende Tabelle vergleicht vier Szenarien bei gleichem Wärmebedarf von 20.000 kWh. Der Gaspreis für Einfamilienhäuser liegt 2026 laut BDEW bei 11,10 Cent pro Kilowattstunde. Ein Gas-Brennwertkessel erreicht dabei einen Nutzungsgrad von rund 90 Prozent.

SzenarioVerbrauch/JahrPreisJahreskosten
Luft/Wasser-WP, WP-Tarif (JAZ 3,4)5.880 kWh Strom22,0 ct/kWh1.294 €
Luft/Wasser-WP, Haushaltsstrom (JAZ 3,4)5.880 kWh Strom37,0 ct/kWh2.176 €
Gas-Brennwertkessel (Nutzungsgrad 90 %)22.222 kWh Gas11,10 ct/kWh2.467 €
Luft/Wasser-WP, ungünstigster Fall (JAZ 2,0)10.000 kWh Strom37,0 ct/kWh3.700 €

Nur im ungünstigsten Fall, bei sehr niedriger JAZ und ohne Wärmepumpentarif, wird die Wärmepumpe teurer als Gas. Bei den realistischen Fraunhofer-Bestandswerten mit JAZ 3,4 unterbietet sie den Gaspreis in beiden Tarifvarianten.

Wie senken Sie die Stromkosten Ihrer Wärmepumpe?

Fünf Hebel senken die Stromkosten einer Wärmepumpe spürbar: niedrige Vorlauftemperatur, Photovoltaik-Eigenverbrauch, der passende Stromtarif, hydraulischer Abgleich und die richtige Dimensionierung. Die folgenden Abschnitte rechnen jeden Hebel konkret durch.

Niedrige Vorlauftemperatur einstellen

Eine niedrigere Vorlauftemperatur senkt die Stromkosten spürbar. Jedes Grad weniger verbessert die JAZ um etwa 2 bis 2,5 Prozent. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit JAZ 3,4 und 20.000 kWh Wärmebedarf verbraucht 5.880 kWh Strom pro Jahr. Sinkt die Vorlauftemperatur um 8 Grad, steigt die JAZ auf etwa 4,0. Der Stromverbrauch sinkt dann auf 5.000 kWh pro Jahr. Das spart bei Wärmepumpentarif rund 194 Euro pro Jahr. Die passende Vorlauftemperatur einstellen gelingt über die Heizkurve und einen hydraulischen Abgleich.

Photovoltaik-Eigenverbrauch nutzen

Photovoltaik-Eigenverbrauch senkt die Stromkosten der Wärmepumpe zusätzlich. Ohne Batteriespeicher erreichen PV-Wärmepumpen-Systeme einen Eigenverbrauchsanteil von 22 bis 37 Prozent (Fraunhofer ISE, WP-QS im Bestand). Mit Speicher steigt der Eigenverbrauch auf bis zu 83 Prozent, der Autarkiegrad auf bis zu 62 Prozent. Jede selbst erzeugte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom. Die Photovoltaik-Kosten amortisieren sich schneller, wenn Sie PV-Anlage und Wärmepumpe gemeinsam planen.

Wärmepumpentarif oder dynamischen Tarif wählen

Ein spezieller Wärmepumpentarif senkt die Stromkosten oft um 30 bis 40 Prozent gegenüber Haushaltsstrom. Wärmepumpen-Stromtarife nutzen die reduzierten Netzentgelte nach § 14a EnWG und entfallende Umlagen. Ein separater Zähler lohnt sich meist ab einem Jahresverbrauch von etwa 3.000 kWh. Dynamische Stromtarife mit stundengenauen Preisen ergänzen diesen Hebel, wenn die Wärmepumpe gezielt in günstigen Preisstunden läuft.

Hydraulischen Abgleich durchführen

Ein hydraulischer Abgleich verteilt die Heizleistung gleichmäßig auf alle Heizkörper. Dadurch sinkt die nötige Vorlauftemperatur, ohne dass einzelne Räume kalt bleiben. Ein hydraulischer Abgleich ist Voraussetzung für viele Fördermittel und verbessert die JAZ messbar.

Wärmepumpe richtig dimensionieren

Eine korrekt dimensionierte Wärmepumpe erreicht eine höhere JAZ als eine überdimensionierte Anlage. Überdimensionierte Wärmepumpen takten häufiger, das senkt die Effizienz und erhöht den Verschleiß. Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 liefert die fachlich korrekte Grundlage für die Anlagengröße.

Häufige Fragen zu den Stromkosten einer Wärmepumpe

Wie hoch sind die Stromkosten einer Wärmepumpe pro Monat?

Die monatlichen Stromkosten liegen meist zwischen 60 und 180 Euro. Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit JAZ 3,4 und Wärmepumpentarif kostet im Beispiel 1.294 Euro pro Jahr. Das sind rund 108 Euro pro Monat. Im Winter liegen die Monatskosten höher, im Sommer niedriger.

Lohnt sich ein separater Wärmepumpentarif?

Ein separater Wärmepumpentarif lohnt sich meist ab etwa 3.000 kWh Jahresverbrauch. Er ist dann günstiger als normaler Haushaltsstrom, verlangt aber einen zusätzlichen Zähler. Die Zählerkosten amortisieren sich bei den meisten Einfamilienhäusern innerhalb weniger Monate.

Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe für 150 Quadratmeter Wohnfläche?

Eine Wärmepumpe für 150 Quadratmeter benötigt bei JAZ 3,4 rund 4.400 kWh Strom pro Jahr. Grundlage ist ein spezifischer Wärmebedarf von 100 kWh pro Quadratmeter, üblich für teilsanierte Bestandsgebäude. Bei besserer Dämmung sinkt der Wärmebedarf und damit der Stromverbrauch.

Senkt eine Photovoltaikanlage die Stromkosten der Wärmepumpe?

Ja, eine Photovoltaikanlage senkt die Stromkosten der Wärmepumpe deutlich. Ohne Speicher deckt PV-Strom 22 bis 37 Prozent des Wärmepumpen-Verbrauchs. Mit Speicher steigt der Anteil auf bis zu 83 Prozent (Fraunhofer ISE, WP-QS im Bestand).

Ist eine Wärmepumpe immer teurer im Betrieb als eine Gasheizung?

Nein, das stimmt so pauschal nicht. Bei realistischer JAZ von 3,4 und Wärmepumpentarif kostet eine Wärmepumpe rund 48 Prozent weniger Strom als eine vergleichbare Gasheizung. Nur bei sehr niedriger JAZ und normalem Haushaltsstrom wird die Wärmepumpe teurer.

Quellen & Belege

BDEW-Strompreisanalyse (April 2026), BDEW-Gaspreisanalyse (April 2026), Fraunhofer ISE und Bundesverband Wärmepumpe – Projekt „Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand" (WP-QS im Bestand, 2025), Bundesnetzagentur – Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG.