Max Nestler
March 16, 2026
Lesezeit
6
Minuten
Energetische Sanierung
Arten & Systemleistung

Was ist ein Effizienzhaus? Stufen und Förderung 2026

Ein Effizienzhaus ist ein KfW-Förderstandard für Neubau und Sanierung. Die Kennzahl vergleicht den Energiebedarf des Gebäudes mit einem gesetzlichen Referenzgebäude nach dem GEG. Je niedriger die Zahl, desto höher fällt die mögliche Förderung aus.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Effizienzhaus-Stufe vergleicht den Primärenergiebedarf mit einem gesetzlichen Referenzgebäude
  • 5 reguläre Stufen von EH40 bis EH100, plus Sonderstufe Effizienzhaus Denkmal
  • Im Neubau sind sowohl EH40 als auch EH55 über KfW 297/298 förderfähig
  • Sanierung über KfW 261: Tilgungszuschuss zwischen 5 und 20 Prozent je nach Stufe
  • Effizienzhaus-Stufe ist nicht dasselbe wie die Energieeffizienzklasse A+ bis H

Was ist ein Effizienzhaus?

Ein Effizienzhaus ist ein energetischer Standard für Wohngebäude, den die KfW für Förderkredite nutzt. Er bewertet zwei Werte: den Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust. Der Primärenergiebedarf zeigt, wie viel Energie ein Gebäude jährlich für Heizen, Lüften und Warmwasser benötigt. Der Transmissionswärmeverlust zeigt, wie viel Wärme über Wände, Fenster, Dach und Boden entweicht. Beide Werte vergleicht die KfW mit einem gesetzlichen Referenzgebäude nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG). Dieses Referenzgebäude hat dieselbe Größe und Form wie das echte Haus. Es rechnet aber mit einer gesetzlich festgelegten Standardausstattung bei Dämmung und Anlagentechnik.

Wie funktioniert das Referenzgebäude-Prinzip?

Die Effizienzhaus-Kennzahl gibt den Prozentsatz des Referenzgebäude-Energiebedarfs an, den das reale Haus benötigt. Ein Effizienzhaus 55 verbraucht nur 55 Prozent der Primärenergie des Referenzgebäudes. Der Transmissionswärmeverlust liegt bei 70 Prozent des Referenzwerts. Der bauliche Wärmeschutz fällt damit um 30 Prozent besser aus als beim Referenzgebäude. Die KfW beschreibt das Prinzip so: „Je kleiner die Kennzahl einer Effizienzhaus-Stufe ist, desto weniger Energie verbraucht Ihre Immobilie" (KfW, Ratgeber "Das Effizienzhaus", 2026). Eine niedrigere Stufe bedeutet immer eine bessere Energiebilanz und meist eine höhere mögliche Förderung.

Welche Effizienzhaus-Stufen gibt es?

Die KfW unterscheidet fünf reguläre Effizienzhaus-Stufen und die Sonderstufe Effizienzhaus Denkmal. Die regulären Stufen reichen von Effizienzhaus 40 bis Effizienzhaus 100. Effizienzhaus 100 entspricht rechnerisch dem Referenzgebäude selbst und damit dem gesetzlichen GEG-Neubaustandard. Diese Stufe erhält deshalb keine KfW-Förderung, weil sie keinen Effizienzgewinn gegenüber der gesetzlichen Pflicht bringt. Die frühere Sanierungsstufe Effizienzhaus 115 entfiel bereits im Juli 2021.

Effizienzhaus-StufePrimärenergiebedarfTransmissionswärmeverlustAnwendungFörderfähig
EH 4040 %55 %Neubau und SanierungJa
EH 5555 %70 %Neubau und SanierungJa
EH 7070 %85 %Nur SanierungJa
EH 8585 %100 %Nur SanierungJa
EH 100100 %100 %Referenzgebäude, GEG-NeubaustandardNein
EH Denkmalindividuell vereinbartindividuell vereinbartNur Sanierung, BaudenkmaleJa

Quelle: KfW, "Das Effizienzhaus" für Neubau und Bestandsimmobilien (kfw.de, Stand Juli 2026); Effizienzhaus 115 seit Juli 2021 eingestellt.

Was bedeuten die Zusätze EE und NH?

Die Zusätze EE und NH kennzeichnen zwei Bonus-Klassen mit höherer Förderung. Die Erneuerbare-Energien-Klasse (EE) verlangt, dass erneuerbare Energien mindestens 65 Prozent des Wärmebedarfs decken, etwa über eine Wärmepumpe. Die Nachhaltigkeits-Klasse (NH) verlangt stattdessen ein Zertifikat nach dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG). Beide Klassen erhöhen den Tilgungszuschuss um 5 Prozentpunkte gegenüber der Basisstufe (Stand: KfW, gültig bis 20.07.2026). Eine Kombination aus EE-Klasse und NH-Klasse ist nicht möglich.

Wie fördert die KfW den Neubau zum Effizienzhaus?

Im Neubau fördert die KfW sowohl Effizienzhaus 40 als auch Effizienzhaus 55. Das korrigiert einen verbreiteten Irrtum: Die Neubauförderung ist nicht auf Effizienzhaus 40 beschränkt. Das Programm KfW 297/298 "Klimafreundlicher Neubau – Wohngebäude" fördert Effizienzhaus 40 mit bis zu 150.000 Euro Kredit je Wohneinheit. Das Gebäude darf dabei nicht mit Öl, Gas oder Biomasse beheizt werden. Das Programm KfW 296 "Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment" fördert wahlweise Effizienzhaus 40 oder 55. Der Kredit beträgt bis zu 100.000 Euro je Wohneinheit. Für Familien mit Kindern bietet KfW 300 "Wohneigentum für Familien – Neubau" zusätzlichen Spielraum. Der Kredit für den Effizienzhaus-40-Neubau reicht von 170.000 bis 270.000 Euro.

KfW-ProgrammEffizienzhaus-StufeMax. Kredit je WohneinheitBesonderheit
KfW 297/298EH 40150.000 €kein Öl, Gas oder Biomasse als Heizung
KfW 296EH 40 oder EH 55100.000 €zusätzliche Flächeneffizienz-Kriterien
KfW 300EH 40170.000–270.000 €nur für Familien mit Kindern

Quelle: KfW, Produktseiten 296, 297/298, 300 (kfw.de, Stand Juli 2026).

Wie fördert die KfW die Sanierung zum Effizienzhaus?

Bei der Sanierung vergibt die KfW einen Kredit mit Tilgungszuschuss über das Programm KfW 261. Der Tilgungszuschuss sinkt mit jeder höheren Kennzahl der erreichten Effizienzhaus-Stufe. Ein Effizienzhaus 40 erhält 20 Prozent Tilgungszuschuss, ein Effizienzhaus 85 nur 5 Prozent (Stand: kfw.de, gültig bis 20.07.2026). Zusätzliche Boni erhöhen den Zuschuss weiter. Ein "Worst Performing Building" aus den energetisch schlechtesten 25 Prozent des Gebäudebestands bringt 10 Prozentpunkte extra. Serielle Sanierung bringt 15 Prozentpunkte extra.

Effizienzhaus-StufeTilgungszuschuss (Basis)mit EE- oder NH-KlasseMax. Kredit je Wohneinheit
EH 4020 %25 %120.000 € (150.000 € mit EE/NH)
EH 5515 %20 %120.000 € (150.000 € mit EE/NH)
EH 7010 %15 %120.000 € (150.000 € mit EE/NH)
EH 855 %10 %120.000 € (150.000 € mit EE/NH)
EH Denkmal5 %10 %120.000 € (150.000 € mit EE/NH)

Quelle: KfW, Merkblatt Nr. 261 / "Das Effizienzhaus" (kfw.de, Stand: gültig bis 20.07.2026).

Ab dem 21. Juli 2026 ändert die KfW diese Konditionen. Die Bundesregierung veröffentlichte die Reform-Eckpunkte am 8. Juli 2026. Der Bonus von 5 Prozentpunkten für die EE-Klasse und die NH-Klasse entfällt. Alle Tilgungszuschüsse sinken zusätzlich pauschal um 10 Prozentpunkte. Der Förderhöchstbetrag für die Sanierung liegt künftig einheitlich bei 150.000 Euro je Wohneinheit, unabhängig von der erreichten Stufe. Die KfW formuliert die Änderung so: „Die Höhe der Tilgungszuschüsse, die auf den Kreditbetrag gewährt werden, wird pauschal jeweils um 10 Prozentpunkte reduziert" (KfW-Pressemitteilung vom 8. Juli 2026). Der Bonus für serielle Sanierung gilt ab Ende September 2026 zusätzlich für Effizienzhaus 70 EE. Zuvor galt er nur für Effizienzhaus 40 und 55. Wer bis zum 20. Juli 2026 eine gültige Bestätigung zum Antrag vorlegt, sichert sich die bisherigen Konditionen.

Detaillierte Antragsschritte und Beispielrechnungen zum Kredit 261 zeigt der Beitrag zu KfW 261 und 262.

Wie werden Baudenkmale zum Effizienzhaus saniert?

Baudenkmale und "besonders erhaltenswerte Bausubstanz" erhalten vereinfachte Förderbedingungen. Denkmalschutzauflagen erlauben oft keine vollständige Fassadendämmung. Die KfW passt die Anforderungen deshalb individuell an das jeweilige Gebäude an. Für die Bestätigung ist eine Energieeffizienz-Expertin oder ein -Experte mit Zusatzqualifikation für Denkmalschutz nötig. Zugelassen sind Fachleute aus der Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) mit der Auswahl "Effizienzhaus Denkmal". Ein individueller Sanierungsfahrplan hilft, die Maßnahmen mit den Denkmalschutzauflagen abzustimmen.

Effizienzhaus-Stufe oder Energieeffizienzklasse: Wo liegt der Unterschied?

Die Effizienzhaus-Stufe und die Energieeffizienzklasse messen beide Energieeffizienz, aber mit unterschiedlichen Werten und Zwecken. Die Energieeffizienzklasse (A+ bis H) basiert auf dem Endenergiebedarf oder -verbrauch. Sie steht im Energieausweis und ist bei Verkauf oder Vermietung eine Pflichtangabe. Die Effizienzhaus-Stufe basiert dagegen auf dem Primärenergiebedarf und dem Transmissionswärmeverlust im Vergleich zum Referenzgebäude. Sie ist keine Pflichtangabe, sondern die Grundlage für die KfW-Förderzusage. Ein Haus der Energieeffizienzklasse A+ ist deshalb nicht automatisch ein Effizienzhaus 40, denn beide Kennzahlen folgen unterschiedlichen Berechnungsmethoden. Details zu den Klassen A+ bis H liefert der Beitrag zu Energieeffizienzklassen für Häuser.

Welche Rolle spielt das Effizienzhaus bei "Jung kauft Alt"?

Das Förderprogramm "Jung kauft Alt" (KfW 308) verlangt als Sanierungsziel mindestens Effizienzhaus 85 EE. Familien kaufen damit eine energetisch schwache Bestandsimmobilie und sanieren sie anschließend. Die Frist dafür beträgt 54 Monate ab der KfW-Zusage. Alternativ genügt der Standard Effizienzhaus Denkmal EE. Mehr zu Voraussetzungen und Fristen zeigt der Beitrag zu Jung kauft Alt.

Häufige Fragen zum Effizienzhaus

Ist ein Effizienzhaus 40 besser als ein Effizienzhaus 100?

Ja. Die Kennzahl zeigt den Anteil am Referenzgebäude-Energiebedarf. Ein Effizienzhaus 40 benötigt nur 40 Prozent, ein Effizienzhaus 100 exakt 100 Prozent dieses Werts.

Wird ein Effizienzhaus 70 aktuell noch gefördert?

Ja, bei der Sanierung. Effizienzhaus 70 erhält aktuell 10 Prozent Tilgungszuschuss über KfW 261 (Stand: gültig bis 20.07.2026). Im Neubau ist diese Stufe nicht förderfähig.

Brauche ich für die Förderung zwingend eine Energieberatung?

Ja. Eine Energieeffizienz-Expertin oder ein -Experte aus der dena-Liste bestätigt die erreichte Stufe. Ohne diese Bestätigung zahlt die KfW keinen Tilgungszuschuss aus.

Was ist aus der Stufe Effizienzhaus 115 geworden?

Diese Stufe existiert nicht mehr. Die KfW stellte die Förderung für Effizienzhaus 115 im Juli 2021 ein.

Kann ich EE-Klasse und NH-Klasse gleichzeitig beantragen?

Nein. Beide Bonus-Klassen schließen sich gegenseitig aus. Sie wählen entweder die Erneuerbare-Energien-Klasse oder die Nachhaltigkeits-Klasse.

Quellen & Belege

KfW (Produktseiten "Das Effizienzhaus" für Neubau und Bestandsimmobilien, Merkblatt Nr. 261, Merkblatt Nr. 308, Pressemitteilung vom 8. Juli 2026, jeweils kfw.de), Gebäudeenergiegesetz (GEG).